6/28/2010
Practical Angel
6/16/2010
Der Epilog vom Ende
Tikiesque
6/11/2010
IKEA hassen und lieben und wieder hassen lernen
6/02/2010
Das Ende vom Ende
5/27/2010
Die Mitte vom Ende
5/19/2010
5/17/2010
Didaktische Aufbereitung
5/05/2010
Der Anfang vom Ende
4/17/2010
Endlich wieder wie 15 fühlen mit Media Markt
4/05/2010
Niemand ist eine Insel
Die Serie „24“, die mittlerweile in der achte Season läuft, und die ich immer noch gerne sehe, zeigte bereits in der dritten Staffel Abnutzungserscheinungen, eine gewisse Redundanz, die ahnen ließ, dass der Faktor des Genialen sich langsam verflüchtigte. Und so kam es ja dann auch. Für mich war das, so dachte ich, die letzte Serie, die ich mit wirklicher Hingabe verfolgt hatte. Zum einen, weil ich nicht wusste, was danach noch wirklich neues kommen sollte, zum anderen, weil ich langsam aber sicher in einen Lebensabschnitt geschliddert war, in dem die kultische Rezeption einer Fernsehserie, als fester Lebensprogrammpunkt samt Forenbelagerung, stundenlangen Diskussionen und Voicemails an Fanpodcasts ein zeitlicher Luxus war, den man angesichts seiner inhärenten Zweckfreiheit nur schwer vor sich selbst rechtfertigen konnte.
Aber dann kam LOST, die Serie mit der Insel. Eigentlich kam Lost schon zwei Jahre früher, aber ich stieß, DVD sei Dank, erst zeitverzögert hinzu, so zum Ende der zweiten Season. Mittlerweile läuft die sechste und letzte.
Über die Serie selbst brauche ich hier glaube ich nichts zu schreiben, denn ein zwangloses Dazustoßen ist mittlerweile eh vollkommen unmöglich. Wer nicht von Anfang an dabei war, ist angesichts der unfassbar vertrackten Storyline chancenlos. Was mit einigen Flugschiffbrüchigen auf einer Südseeinsel mit Eisbären begann, ist mittlerweile ein Epic voller Geheimnisse, dessen Erzählstruktur sich strahlenförmig in Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und sogar alternative Realitäten ausbreitet. Eine Geschichte, die im Grunde der Versuch ist, auf einer Metaebene dem Prinzip „Geheimnis“ selbst Gestalt zu verleihen. Ein bis dato nicht da gewesenes, kongenial durchplantes, literarisches multimediales Experiment.
Aber jetzt schreibe ich ja doch über die Serie. Und hab schon wieder Schaum vorm Mund. OK genug jetzt.
Im Moment läuft also die letzte Season. Noch 7 Folgen sind übrig. Ich konnte nicht anders und hab sie in dieses iTunes Abo gleich nach US-Ausstrahlung geholt. Noch sieben Folgen. Ich werde nervös. Versuche meinen Redebedarf sinnvoll zu kanalisieren. Denn trotz des Versprechens eines der Produzenten während der Sommerpause, geäußert in einem Interview auf der San Diego Comic Con, dass man „nun keine Fragen mehr aufwerfen“ würde und stattdessen „die finalen Antworten liefern“ würde, gibt es bis jetzt nur – neue Fragen. Immer wenn man eine Ahnung entwickelt, wenn man plötzlich das Gefühl hat, die Puzzleteile fügen sich zusammen, geschieht etwas, das alles wieder ad absudrum führt. Die Foren laufen heiß. Die beiden Lost-Fan-Podcasts, die ich im Abo habe, haben ihre durchschnittliche wöchentliche Laufzeit verdoppelt. Der wahrscheinlich gesündere Otto-Normal-Zuschauer ist längst genervt ausgestiegen. Ich denke in den unmöglichsten realweltlichen Situationen über die Geschehnisse in einer TV Serie nach – also wirklich in allen Situationen. Besorgte Fragen, ob dieses Verhalten der Grenzüberschreitung ins Pathologische nicht bedenklich nahe kommt, werden nervös lachend beiseite gewischt.
Werden sie wirklich alle Rätsel auflösen? Haben sie wirklich einen Plan? Wie wollen sie in sieben Folgen diesen unfassbaren, multilinearen Rattenkönig von Erzählsträngen vorwärts und rückwärst durch die Multiple-Welten-Theorie und alle Weltreligionen noch auflösen? Und was ist eigentlich mit den Eisbären?
Es ist nur eine Fernsehserie. Es ist nur eine Fernsehserie. Es ist nur eine....
PS: Zumindest eine Erkenntnis: Scheiß auf Lebensabschnitte. Ich werde immer ein Fanboy sein. Andere töpfern.
4/01/2010
Die Liste der Woche
Unterschätzte Karnevalskostüme
10. Teenage Mutant Ninja Turtle
9. Fraktal
8. Meisterschale
7. Amöbe
6. Typ im roten Shirt der in der Star Trek Folge „Horta rette ihre Kinder“ ums Leben kam
5. Rotkäppchen
4. Generikum
3. Bettpfanne
2. Satzzeichen
1. Günter Wallraff
3/28/2010
Hotel California
Seit einiger Zeit habe ich erkannt, dass meine einzige Chance in der Flucht besteht. All die Erlebnisse mit meiner Vemieterin, all die Vorfälle, lassen sich in ihrer schieren Summe einfach nicht mehr verleugnen, oder Missverständnissen zuschreiben. Die Zeit, in der ich versuchte, Hilfe zu holen, oder die Welt einfach nur zu warnen, sind vorbei. Es gibt eben nur begrenzt viele schwarze Messen, Wetterkontrollmaschinen und Westerwelle-Cyborgs, die man irgendwie verdrängen kann ohne irreparablen Schaden zu nehmen. Und dazu kommt die Ahnung eines Masterplans, ein Gefühl einer düsteren Bestimmung, das, einer raschen Bewegung im peripheren Sichtfeld gleich, präsent ist und doch nicht greifbar. Es stand also fest: Ich musste raus hier.
Entscheidungsfördernd war das wiederholte Anschauen des 70er-Jahre-Gruselklassikers „Landhaus der toten Seelen“, unlängst auf DVD erstanden, in welchem eine Familie trotz aller Vorzeichen ja auch den entscheidenden Moment zu lange zögert, aus einem merkwürdigen Mietverhältnis einer noch merkwürdigeren Vermieterin zu entkommen. Und vollständig ausgelöscht wird.
Also begann ich, heimlich, auf Wohnungssuche zu gehen. Dabei aber haben sich in den letzten Tagen sonderbare Vorkommnisse gehäuft. Ansichtstermine, die plötzlich abgesagt wurden. Makler, die plötzlich spurlos verschwanden. Zunächst dachte ich mir nichts dabei – schließlich konnte meine Vermieterin unmöglich ahnen, was ich vorhatte.
Immer misstrauischer wurde ich, als ich bemerkte, dass jedes Mal, wenn ich in den letzten Tagen das Radio einschaltete, „Hotel California“ lief. Egal welcher Sender. Immer die letzte Strophe. Geloopt.
Mirrors on the ceiling,
The pink champagne on ice
And she said 'We are all just prisoners here, of our own device'
And in the master's chambers,
They gathered for the feast
They stab it with their steely knives,
But they just can't kill the beast
Last thing I remember, I was
Running for the door
I had to find the passage back
To the place I was before
'Relax,' said the night man,
'We are programmed to receive.
You can check-out any time you like,
But you can never leave!'
Gestern, als ich gerade wieder das Radio eingeschaltet hatte, schwitzend und nervös lachend, hörte ich plötzlich ein Geräusch vor meiner Tür. Ich kannte dieses Geräusch. Es war das vertraute, leise Schaben meines Fußabtreters, wenn meine Vermieterin eine der wöchentlichen Nachrichten in Zettelform auf ihm deponiert. Ich lauschte atemlos. Kämpfte kurz mit mir. Dann öffnete ich die Tür. Meine Vermieterin kauerte vor der Tür, hatte gerade den Zettel abgelegt. Sie blickte auf. Pupillenlose, weiße Augen blickten mich an. Aus unerfindlichen Gründen beschlich mich ein beinahe panikartiges Gefühl von Déjà Vu.
- Oh, hallo Herr X, ich wollte Ihnen nur kurz diesen Zettel hinlegen, um Sie darüber zu informieren, dass Ihre Wäsche noch im Keller hängt, obwohl sie bereits seit 37 Minuten komplett getrocknet ist.
- Oh. Danke, Frau Y.
Mit einem leisen *plopp* kamen ihre Pupillen zurück.
- Sie hören das, wenn ich hier Zettel deponiere?
- Seit einiger Zeit schon, ja.
Wir schwiegen. In der Ferne krächzte ein Bussard. Da war das Gefühl wieder.
- Naja das wollte ich Ihnen nur mitteilen. Die Wäsche muss weg. Die anderen Mieter brauchen ja auch Platz, um die Wäsche aufzuhängen.
- Natürlich. Das verstehe ich. Ich werde die Wäsche gleich abhängen.
- Gut. Gut. Sie werden ja schließlich noch eine Ewigkeit hier verbringen.
Was hatte sie da gerade gesagt?
- Entschuldigung, was sagten Sie gerade?
- Ich sagte, Sie wollen ja schließlich noch einen Moment hier wohnen. Da muss man Rücksicht nehmen.
- Ach so... ja.... natürlich.
- Oder gibt es etwas, dass ich wissen sollte?
- Wie? Nein. NEIN. Natürlich nicht. Wieso... warum fragen Sie?
- Wieso frage ich was?
- Na, ob... warum... was... ach... ich weiß auch nich.... vergessen Sie´s – ich hab mich verhört.
- Ja.
- Ja.
- Ach, Sie hören ja „Hotel California“. Ich mag diesen Song.
- Diesen... Song?
- Na dieses Lied. Es erinnert mich an die 70er. Viele sagen ja, der Text verberge eine geheime, okkulte Botschaft. Völliger Quatsch, wenn Sie mich fragen.
- Ich ... ich glaube auch.
- Ja.
- Ja. Ich geh dann mal wieder rein.
- Machen Sie das, Herr X. Auf Wiedersehen.
Heute Morgen hat die Maklerin einer Wohnung, für dich ich mich interessierte, bei mir angerufen. Sie sagte, sie könne den Vertrag leider nicht mit mir besprechen, da sie auf unbestimmte Zeit verreisen müsse. Nach Ägypten.
23 Uhr 30. Ich habe wieder angefangen zu rauchen.
3/21/2010
Popgap
Ein unterschätzter Aspekt der in der täglichen Erfahrung im Grunde immer noch relativ ungreifbaren „Finanzkrise“ ist die Vernichtung von Marken. Als beispielsweise vor einiger Zeit Quelle die Segel streichen musste, habe ich mich lange Zeit gefragt, warum mich dieser Prozess auf seltsame Weise betroffen machte. Schließlich hatte ich nie etwas bei Quelle bestellt; und außer ganz früher, also in der Zeit des großen Abschieds aus der ersten Hörspielkassettenphase, als der Quellekatalog aus ganz anderen Gründen eine gewisse Faszination aus mich ausübte (natürlich wisst ihr was ich meine), hat dieses Unternehmen auch nie eine Rolle in meinem Leben gespielt. Ich war eigentlich sogar Krisengewinnler, als ich beim großen Quelle-Ausverkauf ein ziemlich cooles Sweatshirt kaufte, wie es sich für ein gewissenloses westliches Kapitalistenschwein gehört. (Und es - natürlich - nur knapp zwei Wochen später billiger bei Karstadt rumliegen sah.)
Ich habe erst verstanden, was mich an dieser Sache so beschäftigte, als ich mich vor einigen Wochen so über dies und jenes mit einem Bekannten unterhielt und der plötzlich sagte: „Tja Quelle gibt´s nicht mehr... irgendwie krass oder?“ Das war´s: Die Marke Quelle war weg. Eine Marke, die, so lange ich denken konnte, eine feste Größe war und im Zusammenspiel mit abertausenden anderen Faktoren meinen kulturellen Tellerrand bildete.
Marken stiften kulturelle Identität, sie sind, Dauerhaftigkeit und Größe vorausgesetzt,Wegbegleiter und sie transzendieren ein Produkt über dessen Beschaffenheit und Nutzen hinaus. Sie laden es mit Erinnerungen, Eindrücken und Gefühlen auf. Das ist per se weder gut noch schlecht, sondern lediglich ein Effekt, der sich eben einstellt und sicherlich auch bewusst genutzt wird. Und so entsteht, fällt eine solche Marke plötzlich weg, eine undefinierbare Lücke, ein Gefühl von Verlust, welches unabhängig von einer realen Anwendbarkeit existiert. Ein diffuses Gefühl, das logisch nicht greifbar ist; sich aber, da bin ich mir sicher, auch bei anderen Menschen einstellt, wenn der Märklin-Laden in der Mall dichtmacht, den man mangels Interesse an Modelleisenbahnen doch nie betreten hatte. Nicht umsonst war ein wichtiges Kennzeichen der unverhältnismäßig schnell wieder zu den Akten gelegten Popliteratur der 90er Jahre die Besessenheit mit Marken, wie sie zB in Christian Krachts „Faserland“ bis zum Exzess betrieben wurde.
Was macht Benjamin von Stuckrad-Barre eigentlich heute?
3/15/2010
Perlen der Filmgeschichte 3 - Wicker Man
3/11/2010
Die dreibeinigen Herrscher und das Unbehagen einer Generation




3/08/2010
Meine Vermieterin kehrt zurück
3/07/2010
Rorschach
Letzte Woche hatte sich endlich mal wieder Besuch angemeldet und zwar in Form einer guten Freundin aus Unitagen, aus der Kategorie „Man-sieht-sich-viel-zu-selten-seit-das-wahre-Leben-begonnen-hat“. Wie man schon aus dieser Schubladenkategorie herauslesen kann, verbindet uns nicht nur gegenseitige Sympathie und eine recht bewegte Vergangenheit, sondern auch das Hadern mit dem Erwachsenwerden und eine allgemeine Altersmelancholie. Was in unserem Alter natürlich verdammt prätentiös ist.
Jedenfalls beschloss ich im Vorfeld, die Wohnung noch ein bisschen auf Vordermann zu bringen, und weil es ein ungewöhnlicher Besuch war, hieß das nicht nur Wäsche vom Boden auflesen und Geschirr spülen, sondern – ja was eigentlich? Irgendwas gemütliches fehlt noch, dachte ich. Kurz darauf kam mir beim Einkaufen die Idee: Allenthalben ragten Sonderposten mit Ostersüßkram in die Höhe, das hieß doch, dass es wieder diese coolen Marzipaneier mit Kaffee- und Orangegeschmack gab. Von denen konnte ich ja ein paar auf den Tisch hauen, ich jedenfalls mag sie gern.
Und überhaupt, mein Marzipanproblem. Was für geile Sachen da wieder rumlagen in meinem Plus Netto. Diesmal gab es nicht nur Marzipaneier, sondern auch Marzipanfrüchte. Also diese coolen Marzipanklötze in Fruchtform, die beispielsweise aussehen wie eine Möbelhausbanane oder eine Möbelhausbirne. Ein Hase und ein Marienkäfer waren auch dabei. Die würden sich bestimmt auch gut machen, dachte ich einem Marzipanflash erliegend, und packte sie ebenfalls in meinen Wagen den umsichtig von den letzten vier Schachteln befreiten Haferflockenkarton aus der Nährmittelzeile.
Zu Hause breitete ich die Marzipaneier und die Marzipanfrüchte, und -hasen und –marienkäfer auf dem Tisch aus. Der Marienkäfer sah merkwürdig aus mit seiner zu runden Form und den irgendwie abgewetzten schwarzen Punkten, die mitunter nur noch kleine dunkelrote Erhebungen in der Textur waren. Der Marienkäfer sah gar nicht aus wie ein Marienkäfer. Er sah aus wie ein roter Arsch mit Pickeln.
Wenig später kam mein Besuch und ein entspannter Nachtmittag/Abend begann. Als sich eine kurze Gesprächspause ergab, blickte sie auf einen Marzipanmarienkäfer, drehte für einen Moment gedankenverloren den Kaffeebecher Zentimeter vor ihren Lippen und sagte dann: „Diese Dinger sehen eigentlich gar nicht aus wie Marienkäfer.“
„Stimmt,“ lachte ich.
„Eigentlich“, fuhr sie fort, „sehen sie mehr aus wie Äpfel.“
„Öh...“
„Wie ein schöner roter Apfel, wie der Apfel bei Schneewittchen und die sieben Zwerge, nur dass er auf beiden Seiten so rot ist, und nicht nur auf der vergifteten.“
„Genau,“ sagte ich, „ja, wie... wie bei Schneewittchen und die sieben Zwerge... dachte ich auch.“
