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8/29/2010

Expendable Inception

Als großer Filmfreund erlebte ich irgendwann den Knacks. Dieser nicht zeitlich zu verortende Moment, der wahrscheinlich gar kein Moment, sondern eine lange Phase stetiger Rezeption ist, in dem sich eine Gewissheit ins Bewusstsein frisst: Nichts wird mich mehr wirklich flashen, denn alles, was produziert wird, ist letztlich Variation, und wenn man ein genügendes Maß an Variation verschlungen hat, wird ebendiese redundant. Man erkennt die wiederkehrenden Muster und beraubt sich selbst der Faszination des Unerwarteten und gänzlich neuen, die einen als Vierzehnjährigen selbst bei Sachen wie Ghostbusters 2 noch ungläubig augenreibend in die Kinosessel presste und dem Inhalt noch Wochen später jedem, der es so gar nicht hören wollte, im Minutendetail erzählen ließ. Der Knacks war ein trauriger Moment, aber ein scheinbar unvermeidbarer. Die Magie des Kinos war dahin, es blieb nur die Coolness des Moments.

Diese Woche hat sich dieser Knacks von selbst geheilt. Ich war zweimal im Kino und beide unglaublichen Male war es wie beim ersten Mal Kino überhaupt, wenn auch bei beiden Besuchen aus völlig anderen Gründen wie damals beim Fahrradflug aus E.T.

Der erste Film, den ich sah, war „Inception“. Der Grund für den oben beschriebenen Effekt war hier: Dass Sehgewohnheiten und Erwartungen an das, was ein Film leisten kann, so grundlegend zunächst auf den Kopf gestellt und dann überboten wurden, dass man erst vor Glück heulen wollte und dann, danach, die Welt mit anderen Augen sah, in der ständigen Furcht, man würde irgendwann, in einer realweltlichen Situation, plötzlich Edith Piafs „Je ne regrette rien“ hören. Oder dass der Kreisel einfach nicht mehr umkippt. Und so lange das nicht geschah, konnte man sich immer noch fragen, ob Cobb einfach nur von seinem letzten Trip in den Limbo nicht mehr zurückgekehrt war, oder ob die gesamte Geschichte auf einer fünften Ebene spielte und seine Frau, als sie sich aus dem Fenster stürzte, im Grunde recht hatte.

Der zweite Film war „The Expendables“. Der Grund hier: Weil dieser Film eine Einheit zwischen sich und dem Zuschauer, zumindest dem in den 80ern großgewordenen, herstellte, die so verstörend intensiv und gleichzeitig lustig war, dass ich mich im Nachhinein frage, wieso zum Geier so viele Teens da rein gerannt sind und ihn zumindest in den Staaten zu einem derartig großen Erfolg gemacht haben, obwohl die eigentliche Prämisse doch so völlig an ihnen vorbeigegangen sein muss: Nämlich eine Geschichte von und für und über die Anhänger und Akteure des großen, gradlinigen und Tech-freien Actionfilms einer Zeit vor iPhone und Blackberry zu erzählen und gleichzeitig deren Schwanengesang zu inszenieren. Alle alten Recken, von der Botoxruine Stallone bis zum Präsidentenanwärter Schwarzenegger, kleiden hier die Geschichte ihrer Hochzeit und die Notwendigkeit ihres Abstiegs in einen B-Film, der sich selbst noch während der Laufzeit überholt und im Pulverdampf über den Leichenbergen der lächerlich eindimensional Bösen schließlich komplett in der Metaebene verflüchtigt. Sie haben ihre geschundene Fresse und ihre malträtierten Körper buchstäblich für uns respektive ihre Karriere hingehalten und entlassen uns mit einem ultimativ sentimentalen Schulterschluss in eine Zeit, in der wir uns mit billigeren, wenn auch ganz und gar nicht uncoolen TV-Kopien wie Jack Bauer begnügen müssen, während die nächste Generation sich den bei Sonnenlicht diamantglitzernden, metrosexuellen, empathischen Selbstzweiflern widmen darf.

Hoffentlich ruinieren sie es nicht durch zweite Teile. Aber eigentlich glaub ich nicht, dass sie das machen werden.

4/05/2010

Niemand ist eine Insel

Die Serie „24“, die mittlerweile in der achte Season läuft, und die ich immer noch gerne sehe, zeigte bereits in der dritten Staffel Abnutzungserscheinungen, eine gewisse Redundanz, die ahnen ließ, dass der Faktor des Genialen sich langsam verflüchtigte. Und so kam es ja dann auch. Für mich war das, so dachte ich, die letzte Serie, die ich mit wirklicher Hingabe verfolgt hatte. Zum einen, weil ich nicht wusste, was danach noch wirklich neues kommen sollte, zum anderen, weil ich langsam aber sicher in einen Lebensabschnitt geschliddert war, in dem die kultische Rezeption einer Fernsehserie, als fester Lebensprogrammpunkt samt Forenbelagerung, stundenlangen Diskussionen und Voicemails an Fanpodcasts ein zeitlicher Luxus war, den man angesichts seiner inhärenten Zweckfreiheit nur schwer vor sich selbst rechtfertigen konnte.

Aber dann kam LOST, die Serie mit der Insel. Eigentlich kam Lost schon zwei Jahre früher, aber ich stieß, DVD sei Dank, erst zeitverzögert hinzu, so zum Ende der zweiten Season. Mittlerweile läuft die sechste und letzte.

Über die Serie selbst brauche ich hier glaube ich nichts zu schreiben, denn ein zwangloses Dazustoßen ist mittlerweile eh vollkommen unmöglich. Wer nicht von Anfang an dabei war, ist angesichts der unfassbar vertrackten Storyline chancenlos. Was mit einigen Flugschiffbrüchigen auf einer Südseeinsel mit Eisbären begann, ist mittlerweile ein Epic voller Geheimnisse, dessen Erzählstruktur sich strahlenförmig in Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und sogar alternative Realitäten ausbreitet. Eine Geschichte, die im Grunde der Versuch ist, auf einer Metaebene dem Prinzip „Geheimnis“ selbst Gestalt zu verleihen. Ein bis dato nicht da gewesenes, kongenial durchplantes, literarisches multimediales Experiment.

Aber jetzt schreibe ich ja doch über die Serie. Und hab schon wieder Schaum vorm Mund. OK genug jetzt.

Im Moment läuft also die letzte Season. Noch 7 Folgen sind übrig. Ich konnte nicht anders und hab sie in dieses iTunes Abo gleich nach US-Ausstrahlung geholt. Noch sieben Folgen. Ich werde nervös. Versuche meinen Redebedarf sinnvoll zu kanalisieren. Denn trotz des Versprechens eines der Produzenten während der Sommerpause, geäußert in einem Interview auf der San Diego Comic Con, dass man „nun keine Fragen mehr aufwerfen“ würde und stattdessen „die finalen Antworten liefern“ würde, gibt es bis jetzt nur – neue Fragen. Immer wenn man eine Ahnung entwickelt, wenn man plötzlich das Gefühl hat, die Puzzleteile fügen sich zusammen, geschieht etwas, das alles wieder ad absudrum führt. Die Foren laufen heiß. Die beiden Lost-Fan-Podcasts, die ich im Abo habe, haben ihre durchschnittliche wöchentliche Laufzeit verdoppelt. Der wahrscheinlich gesündere Otto-Normal-Zuschauer ist längst genervt ausgestiegen. Ich denke in den unmöglichsten realweltlichen Situationen über die Geschehnisse in einer TV Serie nach – also wirklich in allen Situationen. Besorgte Fragen, ob dieses Verhalten der Grenzüberschreitung ins Pathologische nicht bedenklich nahe kommt, werden nervös lachend beiseite gewischt.

Werden sie wirklich alle Rätsel auflösen? Haben sie wirklich einen Plan? Wie wollen sie in sieben Folgen diesen unfassbaren, multilinearen Rattenkönig von Erzählsträngen vorwärts und rückwärst durch die Multiple-Welten-Theorie und alle Weltreligionen noch auflösen? Und was ist eigentlich mit den Eisbären?

Es ist nur eine Fernsehserie. Es ist nur eine Fernsehserie. Es ist nur eine....

PS: Zumindest eine Erkenntnis: Scheiß auf Lebensabschnitte. Ich werde immer ein Fanboy sein. Andere töpfern.

3/15/2010

Perlen der Filmgeschichte 3 - Wicker Man

Als ich dieser Tage wegen eines kleinen Infekts ein paar Tage lang keinen Kopf zu gar nichts hatte, brachte mir ein netter Mensch einen Stapel DVDs vorbei, die ich noch nicht kannte. Unter ihnen war ein Nicholas Cage Film von vor ein paar Jahren namens "Wicker Man". Es geht darum, dass Nicholas Cage, diesmal ein Polizist, auf der Suche nach einem verschwundenen Mädchen eine abgelegene schottische Insel aufsucht. Die Leute dort sind allerdings, wie er schließlich erfahren muss, Anhänger eines heidnischen Kults und opfern ihn kurzentschlossen ihrem Gott. Oder Göttin. Das war´s.

Der Film ist zum Schreien komisch. Das geile daran ist aber, dass er das gar nicht sein möchte. Er möchte ganz offensichtlich vielmehr Angstkino sein, ein verstörender Trip in menschliche Abgründe. Da ist es natürlich ein bisschen undankbar, vor Lachen von der Couch zu fallen, aber was soll man machen. Cage, der im Moment gefühlte 20 Filme pro Jahr rausbringt, achtet ganz offensichtlich nicht mehr all zu sehr auf das Script, sofern es Kohle gibt. Und was sein Schauspiel angeht, hat sich der seit je her nicht gerade um Subtilität bemühte Mime mittlerweile auf einem dermaßen hohen, brummkreiselmäßigen Overacting-Level eingependelt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder er ist im Laufe der Jahre ein schlechterer Schauspieler geworden (unwahrscheinlich). Oder es ist eine Form des Protests gegen die oft rumpeldummen Drehbücher.

Gleich nach dem Film machte ich mich aus ehrlicher Begeisterung heraus an eine kleine Internetrecherche, und tatsächlich, ein anderer Fan hat bereits ein Best Of zusammengeschnitten. Enjoy!

Um aber noch eine Lanze für Nicholas Cage zu brechen: Jedesmal wenn man denkt, diesmal sei der Mann durch, kommt er mit was absolut coolem aus´m Quark. Wie z.B. diesem Original-WTF-Moment hier:

10/27/2008

Gespenster Geschichten - Die Rückkehr

Vor zweieinhalb Jahren musste ich leider an dieser Stelle vom Ende der legendären, supertrashigen, pädagogisch und politisch völlig unkorrekten Groschenheftchencomicserie "Gespenster Geschichten" vom Bastei Verlag berichten. Da sich der Bastei-Verlag aber nun scheinbar gänzlich aus dem Comicgeschäft zurückgezogen hat und damit wohl so einige Copyrights freiwurden, sind sie nun, ja wirklich, zurückgekehrt! Die Gespenster Geschichten sind wieder da! Herausgegeben vom Tigerpress Verlag, der unlängst auch versuchte, Fix & Foxi wiederzubeleben. Heute sprang mir das neue Gespenster-Geschichten-Heft am Tankenkiosk entgegen, als ich nach der Bild Süddeutschen suchte. Ich griff natürlich zu. Grund genug für eine Rezension. 

Wie schaut´s denn aus?
Zunächst mal fällt auf, dass das ganze Heftkonzept auf wunderbar sinnlose Weise aktualisiert wurde - d.h. alles wie früher, aber greller und grüner. Das fängt schon beim Cover an - Sonnenbrille auf - bitteschön:
Und hier noch mal zum Vergleich das Original: 

Darüber hinaus sind jetzt auch die Gutters zwischen den Panels knallbunt und es gibt einen unvermeidlichen, lausig recherchierten Magazinteil. Aber das ist ja auch wurscht. Hauptsache, die Geschichten sind wie früher. Und das sind sie - Es sind nämlich dieselben! Genau dieselben. Leidlich umgetextete Nachdrucke, um genau zu sein.

Boah... das ist ja voll schäbig.
Ja, das ist es. Aber hey - die ganze Reihe war schon vom Konzept her schäbig, das macht(e) ja gerade ihren Charme aus. Und da die Geschichten sich sowieso inhaltlich immer nur wiederholten, konnte man sich schon damals eh nie ganz sicher sein, ob man die vorliegende Story nicht schon mal gelesen hatte. 

Und wie sind die Stories so?
Gott sei Dank haben sich durch das Konzept des Nachdruckens auch all die ultimativ-trashigen, unpädagogischen, grenzdebilen Inhalte, Dialogzeilen und Versatzstücke gehalten, die die Heftchen schon damals zum Kult machten. Ungebrochen rufen die Männer "Meiner Treu" und "Arrrgh", die Frauen "Ich werde ohnmächtig" und "Jiiiii", und nach wie vor steht am Anfang ein markiger Groschenromantitel und am Ende ein wohligwarme-nostalgisches "Seltsam? Aber so steht es geschrieben...." Das ist Trash As Trash Can, und da dürfen böse Dämonen schon mal Alwin heißen, ahnungslose Vollpfosten auf fast postmoderne Weise bei der Lektüre eines Gruselcomics dahingerafft werden und Männer Dinge sagen wie "Die Frauen sind doch alle gleich... im Grunde ihres Herzens käuflich". Aber das beste ist eigentlich das Hörspiel.

Das Hörspiel? 
Ja, es liegt tatsächlich jeder Ausgabe eine Hörspiel CD bei, und zwar eine extra für das Comic produzierte Reihe namens "Malcolm Max". Darin geht es um einen unerschrockenen Dämonenjäger namens, nun, Malcolm Max, der für einen Geheimbund, nun, Dämonen jagt. Dabei hilft ihm eine umwerfend schöne Halbvampirin namens Charisma, aber da das ein Hörspiel ist, ist das mit dem "umwerfend schön" natürlich Vertrauenssache. Jedenfalls ist dieses Hörspiel so schlecht produziert und von der Geschichte her so absolut, unglaublich und allumfassend dämlich, dass es schon jetzt zu den geilsten Audiobooks gehört, die ich je, nun, gehört habe. 

Kurz gesagt: Absolute Kaufempfehlung. Das alles ist so geschmacklos, billig und verdorben, dass es man es bedenkenlos auch den Kleinsten in die Hand drücken kann. Ich meine - Hat´s mir etwa geschadet?

Ist das ne ernst gemeinte Frage?
Ja. Nee. Egal, jedenfalls: Kaufen und Spaß haben. 

7/07/2007

Perlen der Filmgeschichte 2 - Zeckenzüchter

Zecken sind überall, sie sind zahlreich und gemein und Fokus einer wachsenden Paranoia, die früher selbstverständliche Vergnügen wie z.B. sich in hohem Gras zu räkeln, zu einer beliebten Mutprobe vorstädtischer Ghettogangs macht. Der Visionär des Trashhorrorfilms, Tony Randel, war seiner Zeit mal wieder weit voraus, als er in den 90ern ebenjene Arachniden zum Gegenstand eines wirklich coolen Films machte, in welchem mutierte Riesenzecken Jagd auf dysfunktionale Jugendliche machten.

Der Film heißt im Original "Ticks", also "Zecken", was eigentlich ein ganz guter Titel ist, jedoch die deutschen Verleiher wie üblich wenig beeindruckte und sie stattdessen mit dem grenzdebilen Titel "C2 - Killerinsect" aufwarten ließ. Ich meine, ok, es ist ja auch ein grenzdebiler Film, aber eben im positiven Sinne.

Zur Handlung: Zwei Sozialarbeiter fahren eine Gruppe Jugendlicher auf eine Selbsterfahrungsfreizeit in eine Blockhütte im tiefsten Wald. Also, ich glaube, dass es irgendwie um Selbsterfahrung geht, so genau wird das nämlich nicht erklärt. Die Jugendlichen sind zum Teil Kriminelle, andere wiederum haben einfach nur pychologische Probleme wie Phobien oder Nymphomanie, aber irgendwie soll ihnen allen der Wald wohl helfen. Und es ist ja auch egal, Hauptsache sie sind in der Wildnis und fern von den Hilfsmöglichkeiten des Zivilisationsapparats. Und den könnten sie doch so gut gebrauchen, als sie feststellen müssen, dass sie in eben jener Blockhütte von blutgierigen Riesenzecken umzinglt sind, die durch verbotene Pflanzenschutzmittel habgieriger Mariuana-Farmer zu dackelgroßen Monstern mutiert sind.

Der Film handelt also davon, wie sich die Jugendlichen samt den beiden unfähigen Pädagogen außerordentlich ideenreich gegen die Blutsauger verteidigen, wobei - unvermeidlich - schließlich auch die beiden Drogenfarmer dazustoßen, die natürlich archetypische Suppenkasperschurken aus dem Groschenromannirvana sind und zusammen über zwei bis drei Gesichtsausdrücke verfügen (und damit den Schauspielern der Jugendlichen locker die Show stehlen).

Die Zecken selbst sind die eigentlichen Stars. Die Plastikkreaturen sausen, offensichtlich an Seilen gezogen, durchs Unterholz und stürzen sich auf ihre arglosen Opfer, wobei sie mehr Schleim und Sabber produzieren als vergleichsweise mutierte Nacktschnecken. (Memo an mich - Drehbuchidee: Killerschnecken.) Erwähnt werden sollte an dieser Stelle, dass den mutierten Zecken auch Haifischzähne gewachsen sind.

Schließlich verschanzen sich die Jugendlichen in ihrer Blockhütte, doch der inzwischen unvermeidlich ausgebrochene Waldbrand treibt leider alle Zecken ebendorthin. (Weil kein Geld für einen Waldbrand über war, fackelten die Filmmacher einige zwei Zentimeter große Baumatrappen ab, die in lächerlich stark vergrößerten Streichholzflammen langsam verkokeln.) Als die Gefahr schließlich gebannt scheint, platzt aus einem Zeckenopfer plötzlich eine walfischgroße Zecke heraus - mit einer Erklärung hält man sich hier nicht mehr großartig auf - so dass die überlebenden Jugendlichen noch einen Endgegner zum Überwinden haben, bevor sie endlich in ihrem Kleinbus zurück in die Zivilisation flüchten können. Nicht ohne zuvor einen aus unerfindlichen Gründen mitten im Wald befindlichen Gastank (!) zu sprengen und somit alle Zecken in die Zeckenhölle zu schicken.

Das coolste aber sind wieder mal die haarsträubenden Dialoge. Gleich zu Beginn wird man auf das Kommende eingestimmt, wenn einer der Protagonisten sich vorstellt mit den Worten: "Man nennt mich Panic, weil ich nie Panik kriege." Von da an geht es dann bergab.

Der Film ist nicht ironisch gemeint und gerade dadurch absolut großartige Unterhaltung. Und das ist schließlich etwas, woran selbst Größen wie Scorsese oder Fincher mitunter scheiterten.

9/04/2006

Gespenter Geschichten - Eine Moritat

Vor knapp 30 Jahren ging der Bastei-Verlag mit einer deutschen Comicheftserie an den Start, die innerhalb kürzester Zeit sogar die Auflagenzahl der Micky Maus überholte und für 30 Jahre lang die deutsche Heftchenlandschaft entscheidend mitprägte: Gespenster Geschichten. Jede der wöchentlich erscheinenden Nummern enthielt jeweils 4-5 Kurzgeschichten und ein Bild aus der „Monster Galerie“.



In bester Poe-Manier waren die Helden der Geschichten meist Anti-Helden, die zum Ende hin ihr zumeist verdientes Schicksal ereilte. Nur waren die Geschichten eben nicht von Poe. Auch nicht von irgendeinem anderen halbwegs begabten Schriftsteller. Nein, sie waren Edel-Trash erster Güte, offensichtlich nach dem Prinzip freien Assoziierens geschrieben und vermutlich während der Mittagspause in der Bastei Verlagskantine verfasst.

Eigentlich waren es ja auch gar nicht viele Geschichten, es gab vielmehr eine überschaubare Anzahl von Geschichten-Prototypen, die sich fast identisch immer wieder aufs Neue abspielten.

Typ 1: Der Protagonist begeht einen Mord aus niederen Motiven, doch der Geist des Opfers kehrt zurück und rächt sich blutig.
Typ 2: Der Protagonist schlägt alle Warnungen einer alten Frau / eines verängstigten Eingeborenenstammes / einer geheimnisvollen Hellseherin in den Wind und verschafft sich einen verfluchten Schatz/Schmuckgegenstand/Götzenbild. Daraufhin erscheint ihm ein Geist/Monster/Inkagott und rächt sich blutig.
Typ 3: Der Protagonist rettet eine Jungfrau in Nöten vor einem vermeintlich gefährlichen Monster, um dann festzustellen, dass die JiN sich in das eigentliche Monster verwandelt - vor dem ihn Monster #1 nur warnen wollte - und ihn auffrisst.
Typ 4: Der Protagonist schließt einen Pakt mit einem Geist/Dämon/dem Teufel persönlich, weil er denkt, er könne sich den Konsequenzen durch einen Trick entziehen, stattdessen zieht er aber natürlich die Arschkarte.
Typ 5: Der Protagonist kann mit seiner Freundin einem Vampir/Werwolf/irgendwie geartetem Monster in letzter Sekunde entwischen, muss aber zu Hause feststellen, dass es seine Freundin leider doch erwischt hat, da sie plötzlich als Vampir/Werwolf/IgM vor ihm steht.

Die Vorhersehbarkeit machte die Heftchen aber erst richtig cool. Und dass sie noch übler getextet als gezeichnet waren, fiel einem mit 10 natürlich nicht auf. Beispielsweise machten die Männer immer „AAARGH“, während die Frauen immer „JIIIII“ machten. Die Namen der Protagonisten waren meist Verballhornungen wie „Jack Landon“, „Micky Jagger“, „Jack Frost“ etc. Ausrufe des Entsetzens (neben AAARGH und JIIII) waren ausschließlich „Meiner Treu!“, „Allmächtiger!“ und „Bei allen...“. Außerdem neigten alle Figuren dazu, auch in den gräßlichsten Situationen das gerade Passiernde noch einmal in einem Monolog zu rekapitulieren: „Meiner Treu! Die gallertartige Masse scheint lebendig... sie formt sich zu einer skelettierten Hand... greift nach mir und drückt mir die Kehle zu! Bei allen...!“ Am Ende der Geschichten stand meistens nicht „Ende“ sondern ein kurzer Schriftzug, der schnell zum Kult wurde: „Seltsam? Aber so steht es geschrieben...“ Das allergeilste aber waren immer die markigen Titel. Wenn es in einer Geschichte beispielsweise um ein Ungeheuer ging, das im Sumpf wohnt, dann hieß die Geschichte nicht „Das Ungeheuer aus dem Sumpf“, sondern „Im Bannkreis des Schlamm-Dämons“ oder „Attacke des Unterwasser-Seelenholers“ oder so.

Dieses Jahr jedoch ging es dann schließlich doch zu Ende mit dieser phantastischen Serie. Eigentlich schon im März, ich habe es aber erst dieser Tage mitbekommen, denn selbst ich, der ja noch so einiges liest, war dieser Reihe natürlich seit langem entwachsen. Trotzdem war sie ein bestimmendes Stück kollektiver Kindheitskultur und prägte den Heftchenmarkt, vor allem in den 80ern, mit ihrer ganzen bezaubernd-trashigen Sinn- und Wertlosigkeit sowie der sympathischen, völligen Abwesenheit jedes pädagogischen Gehalts und jeder politischen Korrektheit wie keine andere Serie. Aber irgendwann geht es eben auch mit Untoten zu Ende.

9/01/2006

Zombies

Ich mag keine Zombie-Filme. Der erste Vertreter dieses Genres, George A. Romeros legendäres „Night Of The Living Dead“ war noch ´ne ziemlich coole Sache, da es sich hierbei ja eigentlich um einen abgrundtief zynischen Kommentar auf die Degeneration der westlichen Gesellschaft handelte. Viel mehr gab es aber dazu nicht mehr zu sagen, weshalb alle 30.000 folgenden Zombie-Filme diese Idee nur immer wieder aufbrühten – oder das ganze gleich wegließen und einfach nur 90 Minuten Gemetzel zeigten. Zum Thema war eigentlich alles gesagt, weshalb alle folgenden, nach dem ewig gleichen Schema ablaufenden Streifen nur noch langweilig waren und sich folglich durch stetig hochgeschraubten Ekel-Faktor an der Befriedigung ganz anderer Bedürfnisse versuchten. (Was geschickt war, denn so konnte die Zielgruppe beruhigt ihren sadistischen Bedürfnissen nachgehen und dies mit dem immer wieder neu entdeckten politischen Subtext rechtfertigen.)

Das war also meine Meinung zu Zombiefilmen. Bis ich jetzt durch Zufall in einer Horror-Anthologie etwas so geiles entdeckt habe, dass ich versucht bin, meine Meinung zu revidieren: Joe Dantes „Homecoming“.


Um was geht’s?

In einer Talkshow des amerikanischen und rechten Senders FOX reagiert ein Politiker auf die Frage nach dem „Warum“ des Irakkrieges und dem Tode hunderter Soldaten mit dem gespielt emotionalen Ausbruch: „If I had one wish, I´d wish for these fallen American soldiers to come back. Because then, they would tell us that they are proud. Proud that they have fallen for a just cause and their country.“ Leider wird sein Wunsch – von wem auch immer – erhört, und die im Irakkrieg gefallenen Soldaten kehren tatsächlich zurück, und zwar als verschimmelnde Untote. Allerdings nicht, um sich an Menschenfleisch gütlich zu tun. Zunächst reagiert Amerika euphorisch: „I do not want to mock an obviously lesser God, but I guess these Islamist fundamentalists are pretty freaked out by this holy sign of our one true Lord, that the USA will prevail.“ Als die Zombies jedoch eine Pressekonferenz einberufen und erklären, dass sie zurückgekommen sind, um bei der anstehenden Wahl gegen den amtierenden Präsidenten und für jeden zu stimmen, der diesen „auf Lügen basierenden Krieg“ beendet, ändert sich die Meinung der Republikaner und der religiösen Rechten: „This satanic hellspawn is a sign for the end of days, and the devil sent them to make us walk astray from our path.“

Man beginnt, sich Sorgen um die Wiederwahl zu machen: „Can´t we just ignore them? What damage can a couple of hundred votes do to an national election campaign?“ - „One word: Florida.“ - „Oh.“ Der Versuch, die Zombies auf rechtlichem Weg ihres Wahlrechts zu berauben, scheitert jedoch, und die Wahlnacht scheint das Ende der Bush-Administration zu besiegeln. Doch die Präsidentenberaterin hat auch hier eine Lösung: „The people may vote – but we count the votes.“ Und tatsächlich verliert die Linke erneut die Wahl.

Woraufhin die Gefallenen aller amerikanischen Kriege auferstehen, die USA überrennen und Washington besetzen.

Joe Dante ist eine bekennende linke Zecke und liefert hier den ultimativen Kommentar zur aktuellen politischen Situation ab. Die untoten Soldaten sind die Träger der Moral, die rechte Regierung dagegen ein machtpolitisch und heuchlerisch agierendes Instrument, welches mit einer bewussten Lüge – den berüchtigten „weapons of mass destruction“ - einen Krieg entfacht, um ganz eigene Interessen zu verfolgen. Da Bush niemals namentlich genannt wird, können sich die Macher des Films hier so richtig weit aus dem Fenster lehnen („He is not stupid. He has a way of making stupid people believe he´s like them.“) und eine brutale Breitseite nach der anderen abfeuern. Die Söhne Amerikas aber erteilen ihrer Regierung schließlich die finale Lektion: „You don´t play games at the cost of other peoples´ lifes.“ Mit diesem einen Satz aus dem überrannten Washington bringt der Film seine Botschaft und den ganzen Wahnsinn der aktuellen Situation auf den Punkt – dass die Regierung mittels einer Lüge einen Krieg anzettelte, beim Lügen erwischt wurde und – wiedergewählt wurde.

Schade dass weder die Republikaner noch die religiöse Rechte Amerikas besonders viele Horrorfilme schauen.

8/26/2006

Superman Returns



15 Jahre hatte ich auf den neuen Superman-Film gewartet. So lange nämlich war er im Vorproduktions-Limbo verschollen, nachdem man Anfang der 90er Jahre einen neuen, fünften Film dieses Franchises angesagt hatte. Es folgten jahrelange Gängeleien und Missmutigkeiten, kreative und finanzielle Differenzen, eine ellenlange Liste immer wieder verworfener Hauptdarsteller und diverse Drehbuch-Versuche (unter anderem hatte sogar Kevin Smith sich an einem vesucht!). Und nun, endlich, war es also soweit.

Und dann passiert sowas.

Was wir in 145 (!) Minuten geboten bekommen, sind: Ein Superman-Darsteller mit genau zwei Gesichtsausdrücken, eine völlig fehlbesetzte Lois Lane, der man nicht für zwei Sekunden die toughe Reporterin abnimmt, einen Muppet-artigen Suppenkasper als Lex Luthor, einen völlig beknackten Plan zur Erringung der Weltherrschaft und – das ist der Abschuss – Supermans Sohn. Sowie eine Geschichte, die man mühelos in einem einfachen Subjekt-Prädikat-Objekt-Satz zusammenfassen könnte.



Der Lex Luthor der Comics ist ein gefährlicher Mann. Seine Waffen sind die Intrige, das perfide Ränkespiel und sein völlig amoralischer, brillanter Verstand. Der Lex Luthor im Film ist ein zwangsneurotischer Schwachkopf, ausgestattet mit der Konfliktfähigkeit eines Zäpfchens, der zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise bedrohlich wirken kann.

Das ist umso ärgerlicher, da Singer, der Regisseur, bereits zuvor bewiesen hat, dass er nicht in die beliebte Falle tappt, Comicverfilmungen als anarchischen Slapstick zu inszenieren, weil es „ja nur Comics sind“. Seine beiden X-Men Filme zeigen, dass der Mann die Vorlagen kennt, respektiert, und bereit ist, sich auf deren Vielschichtigkeit einzulassen. In „Superman“ aber verbrät Singer leider sein ganzes allegorisches Verständnis in einem Trommelfeuer von Jesus-Anspielungen. Das ist nur leider nicht mehr ganz neu, denn die messianische Ebene dieser Figur ist nicht nur relativ augenfällig, sondern wurde auch schon 1939 von ihren Erfindern explizit benannt und seitdem immer und immer wieder betont. Das hindert Singer leider nicht daran, seine Figuren immer wieder Dinge sagen zu lassen wie „Ich sandte meinen einzigen Sohn“, oder „Der Vater wird Sohn, der Sohn Vater“; des weiteren sehen wir Superman alle 10 Minuten in Kreuzigungspose, was nach über zwei Stunden natürlich etwas eintönig wird. Und für alle, die es dann immer noch nicht geschnallt haben, darf Superman am Ende sterben und von den Toten auferstehen. Also quasi so wie E.T.



Dabei steckt so viel mehr in dieser Figur. Scheinbar einfach angelegt, transportiert sie so viele Bedeutungs- und Inhaltsebenen, dass sie als moderne Mythologie Dekaden überlebte und noch überleben wird. Sowas passiert fiktiven Figuren nicht einfach so.

Bei soviel allegorischer Power kann man dann schon mal den Plot aus den Augen verlieren, was vermutlich die zahlreichen Logik-(Schlag-)-Löcher erklärt, die sich von Anfang an durch den Film ziehen und selbst sechsjährigen Zuschauern unweigerlich auffallen müssen. Einsames Highlight ist hierbei die Aktion am Ende, wenn Superman einen ganzen Kryptonit-Kontinent (!) in den Weltraum schleudert – wenngleich ihn keine fünf Minuten zuvor die bloße Berührung mit Kryptonit, einem für ihn giftigen Erz seines Heimatplaneten, so sehr geschwächt hatte, dass er nicht mehr geradeaus laufen konnte.

Dass man den Surrealismus einer Comicvorlage in einem Film einfangen kann, ohne die Ernsthaftigkeit oder die Spannung zu opfern, hat unlängst Christopher Nolan mit „Batman Begins“ bewiesen. Es wäre schon irgendwie fair gewesen, hätte man dem absoluten Vater aller Superhelden eine ähnliche Behandlung zukommen lassen.

2/26/2006

A History Of Violence

Unlängst habe ich im Kino einen der besten Filme seit langer Zeit gesehen: "A History Of Violence". Wie so viele Filme in letzter Zeit basiert der Film auf einem Comic, oder besser: auf einer Graphic Novel, die allerdings so ziemlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlicht wurde.

 

In dem Film geht es um den Coffee Shop Wirt Tom, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Denn eines Tages, nachdem er unfreiwillig zum Local Hero und damit zum Medienliebling wird, werden einige düstere Gestalten auf ihn aufmerksam, die noch eine Rechnung mit ihm offen haben: Der Mob von Philadelphia. Einst nämlich war der Mann nicht Tom, sondern Joey, ein skrupelloser Killer. Doch davon weiß niemand etwas, nicht einmal seine Frau oder seine beiden Kinder, die er aufrichtig liebt. Denn der Killer hat sich selbst getötet - er hat vor vielen Jahren Schluss mit seiner Vergangenheit gemacht und sich ein neues Leben aufgebaut.

Nun aber holt ihn seine Vergangenheit auf brutale Weise ein, und am Ende der Geschehnisse hat er seine Familie zwar von der physischen Gefahr bewahrt, doch seine wahre (?) Identität liegt nun offen.

Doch was ist eigentlich seine wahre Identität? Was ist Identität überhaupt und was ist Schuld? Das ist es, worim es in History eigentlich geht. Tom erklärt seiner Frau, dass er Joey getötet hat. Er ist damals in die Wüste gegangen und brachte sich um, um als neuer Mensch wiedergeboren zu werden - er ging als Joey und kehrte als Tom zurück.

Die eigentliche Frage ist - ist dieser Mensch Joey oder Tom? Kann Tom, offensichtlich ein neuer Mensch, zur Verantwortung gezogen werden für die Taten eines Menschen, der für seine Vergehen mit dem "Tod" bezahlt hat? Kann ein Mensch sich selbst auslöschen und neu erschaffen? Oder ist er ein gnadenloser und außerordentlich brutaler Killer, der zur Rechenschaft gezogen werden muss. Der Regisseur inszeniert die zurückkehrenden Mafiosi als mythische, übermenschliche Archetypen, mehr Engel als Mensch. Und Tom hat nur eine Möglichkeit, seine Familie zu retten: Er muss wieder zu Joey werden und seine Vergangenheit in Ordnung bringen, und zwar durch eine der größten aller Sünden, den Brudermord. Die Tragik besteht darin, dass er, um seine Familie - die Sinn und Inhalt von Toms Leben ist - zu retten, zu dem werden muss, was mit seinem Leben und seiner Familie unvereinbar ist. Und wie kann er alles, was sein Leben ausmacht, retten, wenn er all das genau dadurch verlöre? Der Film endet mit einem der überwältigendsten offenen Enden der Filmgeschichte. Posted by Picasa

1/01/2006

Perlen der Filmgeschichte 1

Heute Abend habe ich „Troll 2“ gesehen, möglicherweise die geilste Trash-Granate aller Zeiten und dadurch auch Anlass zu dieser neuen Rubrik. Bevor Missverständnisse aufkommen: 1.Dieser Film ist keine Parodie, sondern versteht sich als genuiner, absolut ernst gemeinter Vertreter des Horror-Genres. 2.Ich bin begeistert von diesem Film.

Bei „Troll 2“ handelt es sich um die Fortsetzung eines Films namens (Überraschung) „Troll“, den ich irgendwann Anfang der 90er mal auf Video gesehen hatte und der auch schon nicht von schlechten Eltern war. Aber was war das schon gegen diesen Film!

„Troll 2“ ist unfassbar schlecht. Er ist so schlecht, dass es eigentlich keine denkbare Rechtfertigung für dessen Existenz gibt. Normale menschliche Wesen wären einfach nicht in der Lage, einen solchen Film zu produzieren und doch sehe ich die DVD hier vor mir liegen. Die Ed Wood Gesamtedition ist gegen „Troll 2“ ein Meisterwerk für Cineasten. Ich liebe diesen Film.

Der Inhalt:
Die Familie des kleinen Josh hat sich etwas besonderes zum Urlaub überlegt: Sie tauschen die Wohnung mit einer Familie aus dem amerikanischen 26-Seelen-Kaff „Nilbog“ („Nilbog“, ok? Man buchstabiert es N-I-L-B-O-G. Habt ihrs? Wenn nicht, kein Problem, Joshs Familie ist verhängnisvollerweise genauso langsam.) Das bringt uns auch schon zum ersten ganz großen Plus des Films, es kommen nämlich gar keine Trolle vor, sondern nur ein Rudel Goblins – zwergenhafte kleine Monster aus der keltischen Folklore. Diese Goblins sind also die wahren Einwohner von Nilbog, die sich lediglich als Menschen tarnen und zu ausgewählten Zeitpunkten ihre menschlichen Masken fallen lassen. Das ist cool, weil das Budget nur für drei Troll-Masken reichte, die immer und immer wieder im schnellen Wechsel gezeigt werden, wenn das Drehbuch einen Angriff der ganzen Horde (26 an der Zahl) erfordert. Die Masken sind unbeweglich und erkennbar aus Pappmaché, was den Effekt noch genialer gestaltet. Die meiste Zeit aber laufen die Goblins als Menschen herum, z.B. Als Sheriff „Gene Freak", der nebenher auch noch der Gemeindeprediger ist und in seinen Preidgten ausschließlich das „Symbol der Erbsünde“, Fleisch, thematisiert. (Gene: „Flesh! And by flesh, I mean all that stinking, disgusting meat!“ - Versammlung: „Bäh!“ - Gene: „Hamburgers, steaks that stink! Sausages and hot dogs!“ - Versammlung: „Ugh!“). Warum er das tut? Nun, die Goblins sind Vegetarier. Und das führt uns zu ihrem diabolischen Plan: Immer wieder locken sie Familien in ihr Dorf, um sie durch verzaubertes Essen in lebendes Gemüse zu verwandeln und sie danach zu verschlingen! Angeführt werden die Goblins von der mehrere Jahrtausende alten Druidin Creedence, die so unglaublich schlecht und überdreht schausspielert, dass William Shatner dagegen zum Shakespeare-Mimen wird. (Trotzdem stiehlt ihr die Schauspielerin von Joshs zickiger Schwester Holly locker die Show.)

Doch mit Josh hat die Familie, ohne es zu ahnen, ein As im Ärmel. Der nämlich steht in regem Kontakt zu seinem unlängst verstorbenen Großvater, der ihn vor der großen Gefahr warnt, in der seine Famile schwebt. Obwohl der Großvater Josh erklärt, dass dieser auf sich allein gestellt sei, greift er im Verlauf der Handlung immer wieder in Joshs Kampf ein, sei es mit nützlichen Tips, oder indem er mal eben für 30 Sekunden die Zeit anhält, oder nützliche Dinge wie Molotov-Cocktails aus dem Jenseits rüberschickt.

Joshs Eltern sind natürlich gegenüber den Warnungen des Kleinen und dessen Phantastereien ignorant. Das führt zu vielen unvergesslichen Szenen, z.B. wenn Josh seine Familie davor bewahrt, die vergifteten Troll-Pancakes zu Essen, in dem er auf diese drauf pinkelt. (Eine Idee seines Großvaters.)

Aber auch andere Szenen brennen sich ins Gehirn. Da ist zum Beispiel eine, in der es während einer Folge von drei Schnitten innerhalb des selben Gesprächs erst Tag, dann tiefste Nacht, dann wieder heller Tag ist. Oder die Verwandlungen der bemitleidenswerten Goblin-Opfer in lebendes Gemüse, die immer damit beginnen, dass den Betroffenen aus allen Poren Chlorophyl spritzt. Oder der arme Freund von Holly, den Creedence zu einem Wesen halb Mensch, halb Yuccapalme gemacht hat: Creedence topft ihn ein, damit er nicht weglaufen kann. Als sein Kumpel versucht, ihn aus Creedence´ Wohnung zu ziehen, zersägt die Druiden kurzerhand beide mit ihrer Motorsäge.

Am Ende kann die Familie die Goblins besiegen, indem sie deren Heiligtum, ein paar alte Steine, anfassen. Diese befinden sich in Creedences Haus und werden wiederholt als „Stonehenge“ bezeichnet.

Seht euch den diesen Film an. Er ist ab 18, aber das macht nichts. Wirklich.



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10/16/2005

Der Himmel fällt uns auf den Kopf

Seit dem 14.10. gibt es einen neuen Asterix-Band: „Gallien in Gefahr“. Der Band wurde mit der üblichen Geheimhaltung produziert und entsprechend gespannt erwartet. Jetzt ist er erschienen, und natürlich hab ich ihn mir sofort bei Minimal gezogen. Doch ihn zu lesen, hat mich dann doch ziemlich verstört. Für diesen Comic kann es nur eine Erklärung geben: Uderzo hat eine Wette verloren. Wenn Miraculix in Asterix #33 sagt: "Nein, Asterix! Das muss ein Albtraum sein!", dann beschreibt das die gesamte Geschichte absolut passend.

Asterix bekommt es nämlich diesmal weder mit Römern, noch mit Normannen, Goten, Schweizern oder Syrern zu tun, sondern mit Außerirdischen.

Doch.

Abgesandte einer Föderation friedlicher Planeten landen im gallischen Dorf und interessieren sich für den Zaubertrank. Kurz darauf geben sich auch deren Erzfeinde ein Stelldichein: Sprechende Kakerlaken in Raketenschiffen. Und dann sind da noch die „Superklone“, im seltsam vertrauten blauen Dress mit rotem Cape. Es gibt auch eine waschechte Weltraumschiff-Schlacht, in die Obelix später mit einem zielsicher geworfenen Hinkelstein eingreift. Auf Seite 38 ist die Geschichte dann vorbei, aber da der Band blöderweise 48 Seiten haben muss, kommt es noch zu einer Aneinanderreihung vollkommen sinn- und zusammenhangloser Szenen, die in sehr, sehr großen Panels gestaltet werden – Uderzo musste das Heft halt noch irgendwie vollkriegen – bis dann am Ende alle das Gedächtnis verlieren und das traditionelle Bankett abhalten.


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Was hat sich Uderzo dabei bloß gedacht? Goscinny, der inzwischen verstorbene Texter von Asterix, würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er wüßte, was sein ehemaliger Partner da für einen Brainfunk verbrochen hat. Das hier ist der mit Abstand mieseste Asterix aller Zeiten, so richtig zum Kaufen und dann Ungelesen-Ins-Regal-Stellen. Weil man halt Komplettist ist. Oder auch nicht.

8/17/2005

Blankets

Wer oder was ist „Blankets“?
Ein Comic, den ich gerade auf Empfehlung zweier Freunde hin gelesen habe und der mich einfach umgehauen hat. Wobei „Comic“ es nicht trifft, es ist viel mehr – und so nennt der Autor/Zeichner Craig Thompson es auch – ein „illustrierter Roman“.
Ein was?
Ein illustrierter Roman. Stellt euch einfach einen „normalen“ Roman vor und ersetzt einen Großteil des Textes durch Bilder. Dann habt ihr eine grobe Vorstellung, was Thompson da formal und inhaltlich produziert hat.
Um was geht´s da eigentlich?
Vordergründig ist die stark autobiographisch gefärbte Geschichte eine Nacherzählung der ersten großen Liebe des Autors. Eigentlich ist es aber eine Geschichte über das Erwachsenwerden, den Abschied von der Kindheit, das Leben als Prozess und über die alte Frage, was die Existenz eines Menschen eigentlich ausmacht. Auf einer dritten Ebene schließlich ist es ein Roman, der Erinnerung selbst thematisiert – Was ist Erinnerung, wo liegt die Grenze zwischen „vergangen“ und „gegenwärtig“ und inwiefern macht sie uns als Mensch und als Individuum zu dem was wir sind?
OK, ich meinte jetzt aber einfach nur den Inhalt?
OK, der Inhalt: Es ist die Zeit, in der Nirvana und Alice In Chains noch vollzählig am Leben sind. Craig wächst in einem amerikanischen, streng fundamentalistischen Elternhaus auf. Er ist ein Außenseiter, den nur zwei Dinge am Leben halten: Der Glaube an den Himmel, in dem er ein lebenswertes Dasein zu finden hofft, und das Zeichnen. Dann aber lernt er in einem Feriencamp Raina kennen, in die er sich verliebt, und die er schon sehr bald für 14 Tage besuchen fährt. Nach diesen zwei Wochen wird nichts mehr so sein wie zuvor, denn in der nicht unproblematischen Beziehung zur Raina und deren Ende legt er die Ketten ab, die ihn banden. Craig ist erwachsen geworden, und obwohl diese Entwicklung viele Kehrseiten hatte – Einsamkeit, Glaubensverlust und die Erkenntnis über die Endlichkeit aller Dinge – hat er zu sich selbst gefunden.
Und warum sollte mir das gefallen?
Weil du dich darin wiedererkennen wirst. Mir ist rätselhaft, wie Thompson das gemacht hat, aber in seinen – im übrigen wunderschönen und symbolisch fast schon überladenen – Bildern, in den Texten, Dialogen und Situationen, die er schafft, spiegelt man sich wider. So öffnet sich ein Tor in die eigene Vergangenheit und man geht mit Craig auf diese Reise zu den Wurzeln des Menschen, der man heute ist. Alleine die Schilderung von Craigs erster Liebe, die ein Aha-Erlebnis nach dem anderen auslöst, und die den größten Teil des Buches einnimmt, besteht aus einer Aneinandereihung von Situationen, die nicht nur jeder schon einmal so erlebt hat, sondern die auch jeden entscheidend geprägt haben. Nicht selten wird die erzählte Geschichte hier zu einer absoluten Form der Poesie, weil durch die Fusion von Text, Bild, und eigenem Input – und nicht zuletzt durch die Einbeziehung aller, auch der intimsten, Details - ein Verständnis für die Figuren und eine Betroffenheit ausgelöst wird, als würde man tatsächlich Craig (oder Raina) werden. Um es kurz zu machen, wenn man dieses Buch fertig gelesen hat, kann man es zwar wieder weglegen, aber es lässt einen definitiv nicht mehr los – und vielleicht hat man etwas neues über sich gelernt.
Tja und jetzt?
Es ist mir echt ein Anliegen, dass jeder, der grade nichts besseres zu tun hat, dieser „graphic novel“ eine Chance gibt und aus erster Hand erlebt, wie dieser Comic die bisher gedachten Grenzen literarischer Erfahrung sprengt. Besorgt ihn euch, im Comicladen, oder auch ganz unkompliziert bei Amazon. Er ist ein bisschen teurer, aber jeden Cent wert (und zählt immerhin 600 Seiten).

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7/03/2005

Sin City

...heißt einer der genialsten Comics der Welt, der von Frank Miller geschaffen und unlängst von Robert Rodriguez verfilmt wurde. Für jeden, der die Vorlage kennt, wird sich aber in diesem Film ein faszinierendes Déjà-Vu ans nächste reihen. Denn was Rodriguez gemacht hat: Die Panels des Comics 1:1 in Filmbilder umgesetzt. Hierbei hat er nicht nur auf Perspektiven der Panels und Positionierung der Objekte, sondern auch auf die Verwendung von Licht und Schatten und die symbolische Verwendung der Primärfarben in dem ansonsen in s/w gehaltenen Comic geachtet. Die blonden Haare von Goldie. Die blauen Augen von Clive Owen und Alexis Bledel. Die gelbe Haut des Yellow Bastard. Das rote Blut. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht großartig und wegweisend:


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5/16/2005

Elegie

Star Trek ist tot. Den letzten Nachweis dieser im Grunde schon allgemeinhin bekannten Tatsache brachte das vorzeitige Ende der jüngsten Star Trek Serie "Enterprise", die bereits nach vier statt der geplanten 7 Jahre überraschend das zeitliche segnete. Captain Archer und seine Crew (die bezeichnenderweise kaum noch wer kannte) verabschieden sich im Mai zwar mit einem Paukenschlag, aber sie verabschieden sich. Zum ersten Mal seit 18 Jahren gibt es somit keine Star Trek Serie mehr. Und was noch viel gewichtiger ist: Es wird wohl auch keine mehr geben, denn - kein Mensch interessiert sich noch daür.

Was war geschehen?

Es muss so im fünften oder sechsten Jahr der vorletzten Serie, "Voyager", gewesen sein, als das Produktionsteam morgens ans Set kam und feststellte, dass das ganze Star Trek Franchise tot mit dem Bauch nach oben im Wasser schwamm. Die Voyager-Serie war wie über Nacht katastrophal schlecht geworden, die Quoten waren eingebrochen, und die Betonfrisur von Captain Kathryn Janeway saß auch nicht mehr. Doch alle Häme, eine Frau habe das Franchise gegen die Wand gefahren, kam verfrüht, denn wenn Captain Janeway Star Trek die Kniescheiben weggeschossen hatte, packten Archer und seine Crew es in den Rollstuhl und stubsten diesen über die Kante eines Cliffs. "Enterprise" - für die, die diese Serie schon gar nicht mehr wahrgenommen hatten - ordnete sich dem von Star Wars verhängtem Gruppenzwang unter und versuchte sich als "Prequel" (das hatte ja schon bei Episode One so wunderbar funktioniert), das die Zeit vor Captain Kirk und seinem Schiff beleuchten sollte. Doch weder konnte "Enterprise" den Charme der ersten Serie einfangen (in der Kirk und seine Mannen sich schon mal unerschrocken auf die Jagd nach Spocks Gehirn machten, das von Außerirdischen gestohlen worden war), noch die Seriösität der Next Generation (in der Picard schon mal eine geschlagene Stunde lang mit bösartigen Sternenflottencommandern diskutieren konnte, ob Androiden eine Seele haben). Letztlich entschied man sich deshalb, einfach alte Drehbücher neu aufzulegen. Und die Quoten brachen noch in der selben Woche ein.

Letztlich entscheidend für den Untergang war aber, dass Star Trek irgendwann zwischen Voyager und Enterprise seinen Coolness-Faktor verloren hatte. War die Premiere von "Star Trek VII" in 1996 noch ein genuines Sehen-Und-Gesehen-Werden, hat sich für "Star Trek X" (in dem trotz der weitverbreiteten Fehleinschätzung Data nicht stirbt, Sammy) kaum noch wer interessiert. Tatsächlich war es plötzlich - irgendwie - auf ganz subtile Weise - ein kleines bisschen uncool, ja Geek-haft, sich das anzusehen. Das Todesurteil für jedes Franchise.

1987 lief die erste Next Generation Folge im ZDF, ich war 11, auf dem Geburtstag von Jörn, und augenblicklich angefixt. Inzwischen, 18 Jahre später, habe ich wahrscheinlich alle 726 Folgen gesehen... und nun ist es vorbei. Vorbei mit dieser großartigen Serie über das Wesen des Menschen, Toleranz, Zivilisation, Ethik und kleine Außerirdische, die Spocks Gehirn klauen. Um es mit XavierNaidoo zu sagen: Ich bin einer der letzten, der um dich weint.
 
Terror Alert Level