12/14/2006

Das Geheimnis meiner Vermieterin

Als ich eben die Treppe zu meiner Wohnung hinaufstieg, hörte ich aus der Wohnung meiner Vermieterin, die unter der meinen liegt, merkwürdige Geräusche, eine Art monotonen Singsang. Ich horchte eine Weile an der Tür, doch ich verstand die Worte nicht. Ich wollte wissen, was da passierte, traute mich aber auch nicht zu klingeln. Schließlich stellte ich fest, dasss die Wohnungstür nicht verschlossen war. Es war stickig, und ein merkwürdiger, metallischer Geruch lag in der Luft. Ich ging auf die angehlehnte Wohnzimmertür zu. Noch bevor ich durch den Spalt sehen konnte, erkannte ich zwei Dinge: Erstens, dass ich den Singsang deshalb nicht verstanden hatte, weil es kein Deutsch war, sondern eine Mischung aus Latein und Aramäisch.Und zweitens, dass ein Blutrinnsal unter der Tür hindurch in den Flur sickerte. Dann blickte ich in den Raum und sah meine Vermieterin, umringt von Gestalten in schwarzen Kapuzen in einem mit Blut gemalten Pentagramm stehen, dessen fünf Ecken von Ziegenschädeln mit schwarzen Kerzen darin flankiert wurden. Was trieben die da bloß? Mit Schaudern dachte ich an mein Elfmetervoodoo-Erlebnis vom letzten Sommer und begann, nach Wachsfiguren von Fußballern Ausschau zu halten. Doch da waren keine Fußballer. Da war nur ein Foto von – mir. „Was?“ entfuhr es mir. Die Versammlung schreckte hoch, die seltsamerweise pupillenlosen Augen meiner Vermieterin richteten sich auf mich.
Oh... das tut mir leid, dass Sie uns hier so sehen mussten... es ist nicht so, wie es aussieht.... wir proben nur für... für das mittelalterliche Burgtheater nächsten... nächsten Sommer“, sagte sie nicht unfreundlich. Mit einem leisen „Plopp“ kamen ihre Pupillen zurück.
Ach so“, antwortete ich, „dann ist ja... alles klar...“ und, mit einem Blick auf mein Foto, dass in einem merkwürdigen Kreidekreis lag und dessen Ecken versengt und mit Blut voll gesogen waren, setzte ich hinzu: „Das... ist das nicht meins?
Jaaaa.... das habe ich gefunden, es muss ihnen aus dem Rahmen und ... unter der Tür durch und ... nun, und dann durchs Treppenhaus bis in meine Wohnung gefallen sein. Möchten Sie es zurück?
Nein. Nein, danke.
Längeres Schweigen. In der Ferne hörte man einen Bussard krächzen.
Gut, dann....
Ja, dann...
Ja, dann ist ja alles klar...
Ja, Frau K., genau, ich geh dann mal... und schönen... schönen Abend noch Ihnen... allen.
Jaaaa, vielen Dank, Ihnen auch.
Gut, dann auf wiedersehn.
Treten Sie bitte nicht in das Blut, ich hab frisch geputzt.
Ich ging in meine Wohnung und schloss hinter mir ab. Jetzt, wo ich so über all das schreibe, kommt es mir ehrlich gesagt doch ein bisschen komisch vor. Sollte meine Vermieterin... nein, das ist ein zu bizarrer Gedanke. Andererseits... Moment, es klingelt.

So da bin ich wieder. Ich denke es war alles viel Lärm um nichts. Vergesst es einfach. Ich werde jetzt übrigens bis auf weiteres verreisen. Auch mein Telefon melde ich gleich noch ab, ich bin also nicht mehr erreichbar. Bis dann,
euer Rolf

2 comments:

Anonymous said...

Kommen sie doch mal runter auf nen Kaffee.

Tanja said...

Vielen Dank, hat gewirkt!

 
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