7/17/2007

Harry Potter And The Deathly Hallows

Über Kanäle, auf die ich hier nicht näher eingehen kann, und die mindestens zwei Menschen das Leben kosteten, ist mir der Inhalt des am 21. Juli erscheinenden, siebten Harry Potter Romans zugegangen. Für alle Interessierten habe ich mich entschlossen, ihn hier, im Schutze der relativen Anonymität, preiszugeben. Bitte lest es aber wirklich nur, wenn ihr euch die Vorfreude und die Spannung nicht kaputt machen wollt.

Das Buch wird 1250 Seiten haben, lässt sich aber, wie wir es von J.K. Rowling gewohnt sind, relativ knapp zusammenfassen.

Die Handlung beginnt zeitnah am Ende des sechsten Bandes, kurz nach der Trauerfeier für Dumbledore, und zwar gleich mit der ersten überraschenden Wendung. Snape, der lange so tat als sei er ein Böser, dabei aber eigentlich ein Guter war, bis enthüllt wurde, dass er lediglich so tat, als sei er ein Guter, eigentlich aber ein Böser war, ist ein Guter. Er steigt mit Harry, Hermine und Ron in das Dunkle Portal, um Sirius zurückzuholen. Kaum ist dies geglückt, wird aber offenbar, dass Sirius in Wirklichkeit Voldemort war, der auf diese Weise die Guten dazu bringen wollte, nach seiner Seele und seinem Körper nun auch seine Nase aus dem Jenseits zurückzuholen.

Nachdem seine Nase wieder mit seinem Körper und seiner Seele vereint ist, ist er noch mächtiger als zuvor, tötet Snape, doch Harry, Hermine und Ron können entkommen. Sie treffen in Sirius´ Elternhaus mit den anderen Mitgliedern des Orden des Phönix zusammen, um Pläne für die letzte Schlacht zu schmieden. Groß ist jedoch das Entsetzen, als sie realisieren, dass Voldemort von diesem Treffen weiß, und zwar durch Professor Lupin, der in Wirklichkeit Mutter Weasly ist. Voldemort erscheint und faltet das ganze Haus in sich zusammen, nur Harry, Hermine, Ron und Neville entkommen und retten sich in ein Gebüsch.

Durch ein Gespräch, das sie mit Hilfe der Langziehohren der Zwillinge belauschen können, erhalten sie verschiedenen Informationen, die sie mit Hilfe der alten Prophezeiung Voldemorts zu einer erschreckenden neuen Erkenntnis zusammenfügen können: Nicht Harry ist der prophezeite Erzfeind Voldemorts, sondern Neville. Neville fällt vor Schreck tot um, und so scheint alle Hoffnung, Voldemort doch noch zu besiegen, verloren. Ratlos wendet sich Harry an Ron und Hermine, aber die sind immer noch im Gebüsch und kriegen nichts mehr mit. So fasst Harry einen letzten, verzweifelten Entschluss: Voldemort direkt und mit seiner größten Schwäche zu konfrontieren. Es kommt zum finalen Treffen von Prota- und Antagonist. Harry stellt sich Voldemort und bittet ihn darum, bevor der ihn tötet, noch auf ein Butterbier irgendwohin zu gehen. Voldemort, siegestrunken, willigt ein. Über dem Butterbier macht Harry Voldemort dann darauf aufmerksam, dass dieser bei all seinen Bemühungen bisher eines vermissen ließ: ein Motiv. In einem ergreifenden Monolog erkennt Voldemort seinen Fehlgang: dass ihm bei all seinen Bemühungen, Tod und Verzweiflung über die Zaubererwelt zu bringen, nie ganz klar war, wieso eigentlich. Gewalt als Selbstzweck, so erklärt ihm Harry, ist fruchtlos und unethisch und Voldemort trinkt sein Butterbier aus und stürzt sich von den White Cliffs. Die Zaubererwelt ist dankbar und überglücklich und feiert zehn Tage lang, bis auf Ron und Hermine, die immer noch im Gebüsch zugange sind.

7/07/2007

Perlen der Filmgeschichte 2 - Zeckenzüchter

Zecken sind überall, sie sind zahlreich und gemein und Fokus einer wachsenden Paranoia, die früher selbstverständliche Vergnügen wie z.B. sich in hohem Gras zu räkeln, zu einer beliebten Mutprobe vorstädtischer Ghettogangs macht. Der Visionär des Trashhorrorfilms, Tony Randel, war seiner Zeit mal wieder weit voraus, als er in den 90ern ebenjene Arachniden zum Gegenstand eines wirklich coolen Films machte, in welchem mutierte Riesenzecken Jagd auf dysfunktionale Jugendliche machten.

Der Film heißt im Original "Ticks", also "Zecken", was eigentlich ein ganz guter Titel ist, jedoch die deutschen Verleiher wie üblich wenig beeindruckte und sie stattdessen mit dem grenzdebilen Titel "C2 - Killerinsect" aufwarten ließ. Ich meine, ok, es ist ja auch ein grenzdebiler Film, aber eben im positiven Sinne.

Zur Handlung: Zwei Sozialarbeiter fahren eine Gruppe Jugendlicher auf eine Selbsterfahrungsfreizeit in eine Blockhütte im tiefsten Wald. Also, ich glaube, dass es irgendwie um Selbsterfahrung geht, so genau wird das nämlich nicht erklärt. Die Jugendlichen sind zum Teil Kriminelle, andere wiederum haben einfach nur pychologische Probleme wie Phobien oder Nymphomanie, aber irgendwie soll ihnen allen der Wald wohl helfen. Und es ist ja auch egal, Hauptsache sie sind in der Wildnis und fern von den Hilfsmöglichkeiten des Zivilisationsapparats. Und den könnten sie doch so gut gebrauchen, als sie feststellen müssen, dass sie in eben jener Blockhütte von blutgierigen Riesenzecken umzinglt sind, die durch verbotene Pflanzenschutzmittel habgieriger Mariuana-Farmer zu dackelgroßen Monstern mutiert sind.

Der Film handelt also davon, wie sich die Jugendlichen samt den beiden unfähigen Pädagogen außerordentlich ideenreich gegen die Blutsauger verteidigen, wobei - unvermeidlich - schließlich auch die beiden Drogenfarmer dazustoßen, die natürlich archetypische Suppenkasperschurken aus dem Groschenromannirvana sind und zusammen über zwei bis drei Gesichtsausdrücke verfügen (und damit den Schauspielern der Jugendlichen locker die Show stehlen).

Die Zecken selbst sind die eigentlichen Stars. Die Plastikkreaturen sausen, offensichtlich an Seilen gezogen, durchs Unterholz und stürzen sich auf ihre arglosen Opfer, wobei sie mehr Schleim und Sabber produzieren als vergleichsweise mutierte Nacktschnecken. (Memo an mich - Drehbuchidee: Killerschnecken.) Erwähnt werden sollte an dieser Stelle, dass den mutierten Zecken auch Haifischzähne gewachsen sind.

Schließlich verschanzen sich die Jugendlichen in ihrer Blockhütte, doch der inzwischen unvermeidlich ausgebrochene Waldbrand treibt leider alle Zecken ebendorthin. (Weil kein Geld für einen Waldbrand über war, fackelten die Filmmacher einige zwei Zentimeter große Baumatrappen ab, die in lächerlich stark vergrößerten Streichholzflammen langsam verkokeln.) Als die Gefahr schließlich gebannt scheint, platzt aus einem Zeckenopfer plötzlich eine walfischgroße Zecke heraus - mit einer Erklärung hält man sich hier nicht mehr großartig auf - so dass die überlebenden Jugendlichen noch einen Endgegner zum Überwinden haben, bevor sie endlich in ihrem Kleinbus zurück in die Zivilisation flüchten können. Nicht ohne zuvor einen aus unerfindlichen Gründen mitten im Wald befindlichen Gastank (!) zu sprengen und somit alle Zecken in die Zeckenhölle zu schicken.

Das coolste aber sind wieder mal die haarsträubenden Dialoge. Gleich zu Beginn wird man auf das Kommende eingestimmt, wenn einer der Protagonisten sich vorstellt mit den Worten: "Man nennt mich Panic, weil ich nie Panik kriege." Von da an geht es dann bergab.

Der Film ist nicht ironisch gemeint und gerade dadurch absolut großartige Unterhaltung. Und das ist schließlich etwas, woran selbst Größen wie Scorsese oder Fincher mitunter scheiterten.

7/04/2007

In Leder, ohne Lack


Die Bild bringt in Zusammenarbeit mit dem Herder Verlag eine Bibel raus. Nicht zum ersten Mal, denn es gab ja vor relativ kurzer Zeit schon einmal die "Volksbibel", aber diesmal ist das ganze noch geschmackvoller und heiliger, wie der Pressetext erläutert:

"Eine limitierte Sonderedition der Heiligen Schrift - zum Namenstag des Papstes am 11. Juli - In aufwändiger Ausstattung verlegen BILD und Herder Verlag diese einmalige Bibelausgabe. Die dem Heiligen Vater gewidmete Bibel wird in feines weißes Rindspaltleder gebunden sein. Die edle Verarbeitung wird von einem dreiseitigen Goldschnitt und zwei Lesebändchen in den Farben des Vatikans (Weiß und Gelb) abgerundet. Neben dem vollständigen Bibeltext in der bewährten "Herder-Übersetzung" wird die Bibel einen vierfarbigen Sonderteil enthalten mit vielen Fotos und kurzen Texten Papst Benediks."

Schick. Und das heißt ja wohl dann auch, dass "us Bene", Kopf der Katholischen Kirche und Streiter für das Zölibat, die Bild-Zeitung alles in allem ziemlich dufte findet. Aber das verwirrt mich jetzt etwas. Denn die Bild, die glänzt ja nicht nur durch ethische Fragwürdigkeit der Aufbereitung so ziemlich aller Inhalte. Sondern sie finanziert sich vor allem durch Anzeigen von "willigen Telefonsexschlampen" und Informationen über Rabattaktionen in Bordellen; bietet Services wie den "Seitensprungtip des Tages" oder "Das Mädchen von Seite 1", das sich aus irgendeinem hanebüchenen Grund immer gerade ausgezogen hat; bestreitet in ihrem Onlineauftritt eine ganze eigene Rubrik mit Sex-Webcams; und vieles, vieles mehr. Ist das jetzt nicht irgendwie -- etwas widersprüchlich?

Aber ich vermute mal, ich als Nichtkatholik hab da einfach wieder irgendwas nicht verstanden.

7/02/2007

Das Geheimnis dieses Sommers

Lange hatte ich gerätselt wie das eigentlich sein kann, Global Warming allenthalben, aber hier nur Regen und Kälte. Heute dann entdeckte ich die schreckliche Wahrheit. Ich war unten in der Waschküche, die Maschine volladen und Wäsche von der Leine nehmen. Da hörte ich aus dem - stets verschlossenen - Heizungskeller ein merkwürdiges Geräusch. Eine Art glucksendes, bösartiges Lachen. Ich sah herüber zur Tür und bemerkte, dass sie nur angelehnt war. Ich schlich näher heran und spähte durch den Türspalt. Drinnen konnte ich im fahlen, von einer nackten Glühbirne gespeisten Licht meine Vermieterin ausmachen. Sie saß vor mehreren, an eine kantige Maschine angeschlossenen Monitoren und starrte in Gedanken versunken aus pupillenlosen Augen auf die Bildschirme. Einige zeigten sich bewegende Graphen und EKG-artige Wellenlinien, andere Aufnahmen der oberen Atmosphäre, wieder andere Satellitenbilder von Wolkenwirbeln über dem europäischen Kontinent. In einem roten Fluoreszentdisplay blinkten sich ständig selbst aktualisierende Daten: "Kaltfrontgenerator online - Niederschlagsmultiplikator bei 80% steigend - Energetische Solareinwegspiegel in oberer Stratosphäre ausgerichtet usw. An der Wand hing ein Poster von Daniel Düsentrieb. Ich atmete vor Erstaunen laut hörbar aus. Meine Vermieterin fuhr herum.
- "Oh, Herr [x], was machen Sie denn hier?" Mit einem leisen *plopp* kamen ihre Pupillen zurück. Mich beschlich aus unerfindlichen Gründen ein Gefühl von Déjà Vu.
- "Ich... ich hol nur meine Wäsche. Und was machen Sie...?"
- "Ach das... das ist nur die neue Hauswärmepumpe... ich überprüfe nur ob sie richtig läuft... und sehe dabei -- fern, ja, den -- Wetterbericht, damit es nicht so langweilig ist."
- "...verstehe..."
- "Jaaaa.... ja genau."
Längeres Schweigen. In der Ferne krächzte ein Bussard. Da war das Gefühl wieder.
- "War denn sonst noch was, Herr...?"
- "Nein. Nein, alles super."
- "Dann noch einen schönen Tag Ihnen."
- "Danke. Äh, gleichfalls."
- "Und machen Sie bitte die Tür zu."
- "Ja.... mach ich. Auf wiedersehen."
- "Und falls Sie das Haus verlassen, denken Sie bitte daran, die Haustür zu schließen."
Ich schloss die Tür und verließ den Keller. Ich trat an die frische Luft. Mühsam versuchte ich, meine Gedanken zu ordnen. Das Wetter, dachte ich, selbst das Wetter. Wer hätte das gedacht.


6/28/2007

The Abyss Gazes Also

Lange Zeit hatte meine Vermieterin nichts mehr hören lassen. Ich gestehe: Ich hatte begonnen mir Sorgen zu machen. Heute aber dann die Entwarnung: Alles beim Alten.

Heute Nachmittag, ich war gerade zur Haustür reingekommen (die offen stand; merkt euch diese scheinbar beiläufige, irrelevante Information für später), als mir einfiel, dass ich vergessen hatte einzukaufen. Also hüpfte ich noch mal schnell ins Auto und fuhr los Richtung Edeka. Da ließ mich ein merkwürdiges Geräusch in den Rückspiegel schauen. Einige Meter zurück lag ein Stück meines Marderdrahts auf der Straße, den ich mir nach den denkwürdigen Ereignissen im Mai 2006 zugelegt hatte. Es musste sich beim Losfahren an meinem Auto verhakt haben und einige Meter mitgeschleift worden sein.

Ich zögerte. Die Stimmen waren wieder da.
-Hey Mann fahr schnell zu Edeka und les das Teil auf dem Rückweg wieder auf.
-Ja aber sie... sie hat es bestimmt gesehen und...
-Aber der Edeka macht gleich zu!
-Ja aber sie... sie hat es bestimmt gesehen... sie sieht alles...
Schweiß auf der Stirn. Ich wimmere leise in mich hinein. Dann geschieht es. Ich trete das Gaspedal durch und zische ab Richtung Edeka.

Exakt 15 Minuten später komme ich zurück. Das Stück Draht liegt nicht mehr auf der Straße. Ich schließe die Haustür (die geschlossen ist) auf und steige die Treppe zu meiner Wohnung herauf. An der Tür hängt ein Brief:

Hallo Herr [x],

Ihr Marderdraht lag 100 m weiter auf der Straße. Die Haustür haben Sie beim Verlassen des Hauses offen gelassen. Ich habe direkt nachdem Sie das Haus verlassen haben nachgesehen, dazwischen konnte niemand die Tür benutzen.

Eile ist keine Entschuldigung dafür.

Gruß, [y]

6/25/2007

Flashback

Ein Vorteil am Kranksein ist, dass man Sachen machen kann, die man normalerweise als Zeitverschwendung erachten oder höchstens mal so ganz nebenher machen würde. Zum Bespiel alte Hörspielcasetten aus den 80ern hören und wieder einmal feststellen, wie geil die eigentlich waren. Hier drei aktuelle Zitate:

Skeletor, der Herr des Bösen, lag krank im Bett.
- MotU, Folge 16

"Ich wollte mit Ihnen über ihre Frau und ihre Tochter sprechen."
"Wieso? Was ist denn mit ihnen?"
"Ist Ihnen denn keine Veränderung an den beiden aufgefallen?"
"Nein. Was meinen Sie?"
"Sie... sie sind beide tot."
- John Sinclair, Folge x (Hülle verloren)

"Ich werde Ihnen mein Flugserum und mein Antimaterie-Serum spritzen, Tenner. Auf diese Weise werden Sie zu Antimaterie und können die Bombe problemlos mitten ins Nichts fliegen, ohne dass das Nichts sie auflöst. Ich werde auch der Bombe das Serum spritzen."
- Jan Tenner, Folge 35

Manchmal glaube ich, die Leute würden mich besser verstehen, wenn sie wüßten, was ich mir als Kind so reingezogen habe!

6/10/2007

Bei der Macht von Optimus Prime

Die meisten Leute, die so alt sind, dass sie schon in den 80ern bei Bewusstsein waren, haben ja einen kleinen Actionfiguren-Spleen. Da die Auswahl an brauchbaren Serien aus dieser Zeit begrenzt ist, beschränken sich diese Spleens zwar bei praktisch allen auf a) die Transformers oder b) MotU (oder, in einer hoffnungslosen Außenseiterposition, auf Marshal Bravestarr), aber Spaß machen sie alle mal. Trotzdem ist es ja schon etwas schade, dass es sowas heute nicht mehr gibt. Aber woran liegt das? Gibt der Markt es nicht mehr her oder - fehlt vielleicht nur ein überzeugendes Konzept? Hm. Ich hab mir jedenfalls mal ein kleines Konzept überlegt und erwäge, es den Verantwortlichen bei Mattel vorzulegen.

Das ganze findet nicht auf unserem Planeten statt (was nicht selbstverständlich ist - die Transformers sind ja auch erst von Cybertron zur Erde geflogen, bevor sie so richtig am Rad gedreht haben!) sondern auf der fernen, fernen Welt Patchwork, in der die Magie noch lebendig ist, allenthalben Drachen und Einhörner das Gehölz durchstreifen und die Leute hochtechnisiert sind, aber irgendwie trotzdem noch Schwerter mit sich herumtragen. Auf dieser Welt lebt also der junge Recke Jebediah Dogood, der davon träumt einmal der größte Krieger des Königreichs zu werden. Sein Lehrer ist der Waffenmeister Army-Of-One, bei dem es sich interessanterweise selbst um eine Waffe handelt, die so hoch entwickelt ist, dass sie irgendwann ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat und anfing, sich wahlweise in einen Androiden oder einen VW-Käfer zu verwandeln. Das Verhängnis schlägt zu, als der Hexenmeister des Bösen, Anal Leakage, bei einem Experiment mit seinem Raumzeitgedankenkrümmer versehentlich nach Patchwork geschleudert wird und sich sogleich eine finstere Festung und noch finsterere Gesellen baut. Letztere klont er aus Zellen seines Körpers, aber durch den replikativen Schwund erhält jeder seiner Leute ein ganz individuelles, monströses Aussehen. Angesichts der Gefahr erscheint die seit Jahrhunderten verschollene große Zauberin Zoarwen wieder auf Patchwork, die sehr androgyn ist und ein bisschen wie David Beckham in 30 Jahren aussieht. Sie verleiht Jebediah die Fähigkeit, durch die Anrufung der alten Götter seinen Platz mit seinem zukünftigen Ich, einem mächtigen Krieger, zu tauschen, aber - jetzt kommt´s! - Immer nur für eine Stunde.

Das Konzept ist im Prinzip beliebig erweiterbar, schön zu designen und besteht vor allem ausschließlich aus völlig neuen Ideen. Also ich würde es kaufen.

6/08/2007

5 Allgemeinplätze, die wirklich niemand mehr hören kann

5. Die Kleinen werden so schnell groß.

4. Hey Leute, für mich ist es auch die sechste Stunde.

3. Wir fliegen diesen Sommer nach Mallorca, aber ins Landesinnere.

2 .Die Frage ist nicht, ob wir den Krieg gegen den Terror gewinnen, sondern wann.

1. Die Geschichte war von Anfang an als Trilogie geplant.


12/14/2006

Das Geheimnis meiner Vermieterin

Als ich eben die Treppe zu meiner Wohnung hinaufstieg, hörte ich aus der Wohnung meiner Vermieterin, die unter der meinen liegt, merkwürdige Geräusche, eine Art monotonen Singsang. Ich horchte eine Weile an der Tür, doch ich verstand die Worte nicht. Ich wollte wissen, was da passierte, traute mich aber auch nicht zu klingeln. Schließlich stellte ich fest, dasss die Wohnungstür nicht verschlossen war. Es war stickig, und ein merkwürdiger, metallischer Geruch lag in der Luft. Ich ging auf die angehlehnte Wohnzimmertür zu. Noch bevor ich durch den Spalt sehen konnte, erkannte ich zwei Dinge: Erstens, dass ich den Singsang deshalb nicht verstanden hatte, weil es kein Deutsch war, sondern eine Mischung aus Latein und Aramäisch.Und zweitens, dass ein Blutrinnsal unter der Tür hindurch in den Flur sickerte. Dann blickte ich in den Raum und sah meine Vermieterin, umringt von Gestalten in schwarzen Kapuzen in einem mit Blut gemalten Pentagramm stehen, dessen fünf Ecken von Ziegenschädeln mit schwarzen Kerzen darin flankiert wurden. Was trieben die da bloß? Mit Schaudern dachte ich an mein Elfmetervoodoo-Erlebnis vom letzten Sommer und begann, nach Wachsfiguren von Fußballern Ausschau zu halten. Doch da waren keine Fußballer. Da war nur ein Foto von – mir. „Was?“ entfuhr es mir. Die Versammlung schreckte hoch, die seltsamerweise pupillenlosen Augen meiner Vermieterin richteten sich auf mich.
Oh... das tut mir leid, dass Sie uns hier so sehen mussten... es ist nicht so, wie es aussieht.... wir proben nur für... für das mittelalterliche Burgtheater nächsten... nächsten Sommer“, sagte sie nicht unfreundlich. Mit einem leisen „Plopp“ kamen ihre Pupillen zurück.
Ach so“, antwortete ich, „dann ist ja... alles klar...“ und, mit einem Blick auf mein Foto, dass in einem merkwürdigen Kreidekreis lag und dessen Ecken versengt und mit Blut voll gesogen waren, setzte ich hinzu: „Das... ist das nicht meins?
Jaaaa.... das habe ich gefunden, es muss ihnen aus dem Rahmen und ... unter der Tür durch und ... nun, und dann durchs Treppenhaus bis in meine Wohnung gefallen sein. Möchten Sie es zurück?
Nein. Nein, danke.
Längeres Schweigen. In der Ferne hörte man einen Bussard krächzen.
Gut, dann....
Ja, dann...
Ja, dann ist ja alles klar...
Ja, Frau K., genau, ich geh dann mal... und schönen... schönen Abend noch Ihnen... allen.
Jaaaa, vielen Dank, Ihnen auch.
Gut, dann auf wiedersehn.
Treten Sie bitte nicht in das Blut, ich hab frisch geputzt.
Ich ging in meine Wohnung und schloss hinter mir ab. Jetzt, wo ich so über all das schreibe, kommt es mir ehrlich gesagt doch ein bisschen komisch vor. Sollte meine Vermieterin... nein, das ist ein zu bizarrer Gedanke. Andererseits... Moment, es klingelt.

So da bin ich wieder. Ich denke es war alles viel Lärm um nichts. Vergesst es einfach. Ich werde jetzt übrigens bis auf weiteres verreisen. Auch mein Telefon melde ich gleich noch ab, ich bin also nicht mehr erreichbar. Bis dann,
euer Rolf

11/23/2006

Stressinduzierte Verhaltensauffälligkeiten 1

Wie alle Leute, die die meiste Zeit des Tages arbeitend am Computer verbringen, finde auch ich immer wieder Wege, irgendwas anderes, ablenkendes, bei minimalen Zeitverlust nebenherzumachen. Was man zum Beispiel machen kann, ist: Songcover-Themenstunden. Im Hintergrund lässt man alle existierenden Coverversionen eines Klassikers laufen und erstellt in der Pause ein kleines Ranking. Beispielsweise die letzte Themenstunde heute, 15.00-16.00: Sympathy For The Devil. Hier das Ranking:
7. Ozzy Osbourne
6. Jane´s Addiction
5. Sisters Of Mercy
4. Black Crows
3. Rolling Stones
2. Guns´n´Roses
1. Udo Lindenberg
Ganz erstaunlich. Udo chillt tatsächlich immer noch am besten.

11/21/2006

Die Liste der Woche

Die 6 poetischsten Gedichtanlässe der letzten Woche

6. Der leer in die Ferne schweifende Blick der EDEKA Kassiererin, während der Betrag von meiner Geldkarte abgebucht wurde.
5. Der goldene Sonnenuntergangslichtstrahl direkt durch das einzige Loch in der Wolkendecke letzten Montag.
4. Der ältere Herr, der bei strömendem Regen unter einem schwarzen Schirm allein an einer Bushaltestelle saß.
3. Auf der warmen Seite der Scheibe auf der Fensterbank sitzen und, hinausstarrend, über das Leben nachgrübeln.
2. Das Lächeln in den Augen eines Kindes, das dem vermutlich letzten Schmetterling dieses Jahres nachblickte.
1. Fickende Hunde.

10/07/2006

Postbank-Girokonto

Heute war ich trotz angeschlagenen Gesundheitszustands kurz auf der Post, ein paar Sachen für Ebay verschicken. Folgender Dialog entspann sich. Wirklich.
Ich: "Guten Tag, ich hab hier vier Büchersendungen."
Die Frau von der Post: "Hallo! Haben Sie schon ein Postbank-Girokonto?"
Ich: "Nein, aber ich hab vier Büchersendungen, die kann ich Ihnen geben."
DFvdP: "Ja gerne! Danke! Haben Sie schon ein Postbank-Girokonto?"
Ich: "Äh... nein. Aber danke der Nachfrage. Wieviel machen die Büchersendungen?"
DFvdP: "3.20. Wieso haben Sie kein Postbank-Girokonto?"
Ich: "Bitte?"
DFvdP: "Wieso haben Sie kein Postbank-Girokonto?"
Ich: "Entschuldigen Sie, ich bin nicht interessiert an einem Postbank-Girokonto."
DFvdP: "Sie haben also kein Interesse an gebührenfreier Kontoführung und [einige andere Vorzüge, die ich nicht mehr weiß]?"
Ich: "Leider nicht, nein. Ähm... hab ich schon bezahlt?"
DFvdP: "Nein. Haben Sie denn bereits ein Girokonto?"
Ich: "Was?"
DFvdP: "Haben Sie denn bereits ein Girokonto?"
Ich: "Nein... ja natürlich... hören Sie, ich bin wirklich nicht an einem Postbank-Girokonto interessiert."(lege ihr 3.20 hin)
DFvdP: "Dann ist ihr Girokonto gebührenfrei?"
Ich: "Nein."
DFvdP: "Aber..."
Ich: "Hey was ist das?" (deute hinter Sie)
DFvdP: "Was?" (dreht sich um)
Ich hau ab.

Aliens

Es ist schon ein Kreuz mit den Aliens. Nichtsahnend liegt man im Bett und träumt, da kommen sie, richten ihre Traktorstrahlen auf dich und entführen dich direkt durch die Schlafzimmerwände in ihr Schiff, wo sie dir Kanülen in die Arterien stecken, DNA-Proben entnehmen und dich zu wilden Sex-Experimenten nötigen, denen du leider, widerwillig, Folge leisten musst. Das hab ich erlebt, das haben viele andere erlebt. Zum Glück hat Patrick Hübner, 25, („Ein Trupp Aliens kam 2003 in mein Schlafzimmer, hat mich am Unterleib untersucht“) unlängst eine Website lanciert, die den Opfern von Alienentführungen ein Forum bietet, den Vorgang selber enttabuisiert und eine faszinierende Sammlung von Trivia bezüglich des Phänomens der Entführung durch Aliens bietet. Ein Erfolg ist bereits zu verbuchen: Jens Lorek, Anwalt, hat sich weitergebildet zum ersten Spezialanwalt für Menschen, die von Außerirdischen entführt wurden. „Deutschen Opfern“, so Lorek, „stehen nach dem Opferentschädigungsgesetz Leistungen wie Heilbehandlungen, Kuren und lebenslange Renten zu“.

A pro pos, hat eigentlich jemand kürzlich die „CosmicConnexion“ auf Arte gesehen? Ich hab´s ja leider verpasst. Aber es war wohl ganz großes Kino: Eine zweieinhalbstündige Sendung, die zeitgleich zur Fernsehübertragung auch per Spezialantenne in Richtung des Sterns Errai abgestrahlt wurde, und die inhaltlich so ausgelegt war, dass sie den Aliens die Menschheit erklären sollte. Wenn das Signal dann in 45 Jahren ankommt, kann man wohl nur hoffen, dass Arte das Bild der Menschheit etwas beschönigt hat, denn ansonsten werden uns die Aliens, wenn sie nur einen Funken Verstand haben, augenblicklich vaporisieren.

9/11/2006

Die Sendung mit der Maus: Der George

Das ist der George.



Vor vielen Jahren hat er mal drei echt gute Filme und damit auch ganz schön viel Kohle gemacht. Natürlich erschienen die Filme auch auf Video, in ganz vielen Versionen. Ungefähr so viele wie eure Oma Jahre alt ist. Weil, der George, der will ja auch von was leben.

Dann gab es eine tolle neue Erfindung: Die DVD. Und natürlich brachte der George seine Filme auch auf DVD raus. Aber vorher hat er noch ganz viele neue Szenen und ganz schön stylische neue Effekte reingebaut. Und der Han, die Lieblingsfigur vom George, der durfte auch nicht mehr als erster schießen.

Weil der George dann sagte, dass die originalen Versionen seiner Filme nie auf DVD erscheinen werden, haben sich die meisten Leute dann auch die DVDs mit den komischen neuen Filmen gekauft, auch wenn sie die eigentlich gar nicht so mochten.

Aber der George, der will ja auch von was leben.

Deshalb hat er gewartet, bis fast jeder seine neuen DVDs hatte und dann was sehr schlaues gemacht: Nämlich angekündigt, dass jetzt doch die alten Versionen auf DVD rauskommen sollen. Jetzt würden sich also alle die DVDs mit den alten Fassungen seiner Filme noch dazu kaufen. Aber dann fiel ihm etwas ein und er bekam Schweißausbrüche. So wie eure Mami, wenn ihr wieder den Haushaltsreiniger getrunken habt. Und zwar fiel dem George ein, dass es ja immer noch die vier Leute gab, die die DVDs vom letzten Jahr mit den tollen neuen Sachen drauf noch immer nicht gekauft hatten: Der eine aus Nebraska, der eine aus Grönland und die zwei in Gießen. Aber der George wäre nicht der George, wenn ihm nicht auch hierzu was eingefallen wäre: Und so beschloss er, die alten Fassungen einfach ausschließlich im Doppelpack mit den neuen zu verkaufen, zum doppelten Preis. Jetzt müssen also alle, die nur die alten Versionen von den Filmen vom George wollten, trotzdem die neuen dazu kaufen.

Ist schon ´n Fuchs, der George

9/04/2006

Gespenter Geschichten - Eine Moritat

Vor knapp 30 Jahren ging der Bastei-Verlag mit einer deutschen Comicheftserie an den Start, die innerhalb kürzester Zeit sogar die Auflagenzahl der Micky Maus überholte und für 30 Jahre lang die deutsche Heftchenlandschaft entscheidend mitprägte: Gespenster Geschichten. Jede der wöchentlich erscheinenden Nummern enthielt jeweils 4-5 Kurzgeschichten und ein Bild aus der „Monster Galerie“.



In bester Poe-Manier waren die Helden der Geschichten meist Anti-Helden, die zum Ende hin ihr zumeist verdientes Schicksal ereilte. Nur waren die Geschichten eben nicht von Poe. Auch nicht von irgendeinem anderen halbwegs begabten Schriftsteller. Nein, sie waren Edel-Trash erster Güte, offensichtlich nach dem Prinzip freien Assoziierens geschrieben und vermutlich während der Mittagspause in der Bastei Verlagskantine verfasst.

Eigentlich waren es ja auch gar nicht viele Geschichten, es gab vielmehr eine überschaubare Anzahl von Geschichten-Prototypen, die sich fast identisch immer wieder aufs Neue abspielten.

Typ 1: Der Protagonist begeht einen Mord aus niederen Motiven, doch der Geist des Opfers kehrt zurück und rächt sich blutig.
Typ 2: Der Protagonist schlägt alle Warnungen einer alten Frau / eines verängstigten Eingeborenenstammes / einer geheimnisvollen Hellseherin in den Wind und verschafft sich einen verfluchten Schatz/Schmuckgegenstand/Götzenbild. Daraufhin erscheint ihm ein Geist/Monster/Inkagott und rächt sich blutig.
Typ 3: Der Protagonist rettet eine Jungfrau in Nöten vor einem vermeintlich gefährlichen Monster, um dann festzustellen, dass die JiN sich in das eigentliche Monster verwandelt - vor dem ihn Monster #1 nur warnen wollte - und ihn auffrisst.
Typ 4: Der Protagonist schließt einen Pakt mit einem Geist/Dämon/dem Teufel persönlich, weil er denkt, er könne sich den Konsequenzen durch einen Trick entziehen, stattdessen zieht er aber natürlich die Arschkarte.
Typ 5: Der Protagonist kann mit seiner Freundin einem Vampir/Werwolf/irgendwie geartetem Monster in letzter Sekunde entwischen, muss aber zu Hause feststellen, dass es seine Freundin leider doch erwischt hat, da sie plötzlich als Vampir/Werwolf/IgM vor ihm steht.

Die Vorhersehbarkeit machte die Heftchen aber erst richtig cool. Und dass sie noch übler getextet als gezeichnet waren, fiel einem mit 10 natürlich nicht auf. Beispielsweise machten die Männer immer „AAARGH“, während die Frauen immer „JIIIII“ machten. Die Namen der Protagonisten waren meist Verballhornungen wie „Jack Landon“, „Micky Jagger“, „Jack Frost“ etc. Ausrufe des Entsetzens (neben AAARGH und JIIII) waren ausschließlich „Meiner Treu!“, „Allmächtiger!“ und „Bei allen...“. Außerdem neigten alle Figuren dazu, auch in den gräßlichsten Situationen das gerade Passiernde noch einmal in einem Monolog zu rekapitulieren: „Meiner Treu! Die gallertartige Masse scheint lebendig... sie formt sich zu einer skelettierten Hand... greift nach mir und drückt mir die Kehle zu! Bei allen...!“ Am Ende der Geschichten stand meistens nicht „Ende“ sondern ein kurzer Schriftzug, der schnell zum Kult wurde: „Seltsam? Aber so steht es geschrieben...“ Das allergeilste aber waren immer die markigen Titel. Wenn es in einer Geschichte beispielsweise um ein Ungeheuer ging, das im Sumpf wohnt, dann hieß die Geschichte nicht „Das Ungeheuer aus dem Sumpf“, sondern „Im Bannkreis des Schlamm-Dämons“ oder „Attacke des Unterwasser-Seelenholers“ oder so.

Dieses Jahr jedoch ging es dann schließlich doch zu Ende mit dieser phantastischen Serie. Eigentlich schon im März, ich habe es aber erst dieser Tage mitbekommen, denn selbst ich, der ja noch so einiges liest, war dieser Reihe natürlich seit langem entwachsen. Trotzdem war sie ein bestimmendes Stück kollektiver Kindheitskultur und prägte den Heftchenmarkt, vor allem in den 80ern, mit ihrer ganzen bezaubernd-trashigen Sinn- und Wertlosigkeit sowie der sympathischen, völligen Abwesenheit jedes pädagogischen Gehalts und jeder politischen Korrektheit wie keine andere Serie. Aber irgendwann geht es eben auch mit Untoten zu Ende.

9/01/2006

Zombies

Ich mag keine Zombie-Filme. Der erste Vertreter dieses Genres, George A. Romeros legendäres „Night Of The Living Dead“ war noch ´ne ziemlich coole Sache, da es sich hierbei ja eigentlich um einen abgrundtief zynischen Kommentar auf die Degeneration der westlichen Gesellschaft handelte. Viel mehr gab es aber dazu nicht mehr zu sagen, weshalb alle 30.000 folgenden Zombie-Filme diese Idee nur immer wieder aufbrühten – oder das ganze gleich wegließen und einfach nur 90 Minuten Gemetzel zeigten. Zum Thema war eigentlich alles gesagt, weshalb alle folgenden, nach dem ewig gleichen Schema ablaufenden Streifen nur noch langweilig waren und sich folglich durch stetig hochgeschraubten Ekel-Faktor an der Befriedigung ganz anderer Bedürfnisse versuchten. (Was geschickt war, denn so konnte die Zielgruppe beruhigt ihren sadistischen Bedürfnissen nachgehen und dies mit dem immer wieder neu entdeckten politischen Subtext rechtfertigen.)

Das war also meine Meinung zu Zombiefilmen. Bis ich jetzt durch Zufall in einer Horror-Anthologie etwas so geiles entdeckt habe, dass ich versucht bin, meine Meinung zu revidieren: Joe Dantes „Homecoming“.


Um was geht’s?

In einer Talkshow des amerikanischen und rechten Senders FOX reagiert ein Politiker auf die Frage nach dem „Warum“ des Irakkrieges und dem Tode hunderter Soldaten mit dem gespielt emotionalen Ausbruch: „If I had one wish, I´d wish for these fallen American soldiers to come back. Because then, they would tell us that they are proud. Proud that they have fallen for a just cause and their country.“ Leider wird sein Wunsch – von wem auch immer – erhört, und die im Irakkrieg gefallenen Soldaten kehren tatsächlich zurück, und zwar als verschimmelnde Untote. Allerdings nicht, um sich an Menschenfleisch gütlich zu tun. Zunächst reagiert Amerika euphorisch: „I do not want to mock an obviously lesser God, but I guess these Islamist fundamentalists are pretty freaked out by this holy sign of our one true Lord, that the USA will prevail.“ Als die Zombies jedoch eine Pressekonferenz einberufen und erklären, dass sie zurückgekommen sind, um bei der anstehenden Wahl gegen den amtierenden Präsidenten und für jeden zu stimmen, der diesen „auf Lügen basierenden Krieg“ beendet, ändert sich die Meinung der Republikaner und der religiösen Rechten: „This satanic hellspawn is a sign for the end of days, and the devil sent them to make us walk astray from our path.“

Man beginnt, sich Sorgen um die Wiederwahl zu machen: „Can´t we just ignore them? What damage can a couple of hundred votes do to an national election campaign?“ - „One word: Florida.“ - „Oh.“ Der Versuch, die Zombies auf rechtlichem Weg ihres Wahlrechts zu berauben, scheitert jedoch, und die Wahlnacht scheint das Ende der Bush-Administration zu besiegeln. Doch die Präsidentenberaterin hat auch hier eine Lösung: „The people may vote – but we count the votes.“ Und tatsächlich verliert die Linke erneut die Wahl.

Woraufhin die Gefallenen aller amerikanischen Kriege auferstehen, die USA überrennen und Washington besetzen.

Joe Dante ist eine bekennende linke Zecke und liefert hier den ultimativen Kommentar zur aktuellen politischen Situation ab. Die untoten Soldaten sind die Träger der Moral, die rechte Regierung dagegen ein machtpolitisch und heuchlerisch agierendes Instrument, welches mit einer bewussten Lüge – den berüchtigten „weapons of mass destruction“ - einen Krieg entfacht, um ganz eigene Interessen zu verfolgen. Da Bush niemals namentlich genannt wird, können sich die Macher des Films hier so richtig weit aus dem Fenster lehnen („He is not stupid. He has a way of making stupid people believe he´s like them.“) und eine brutale Breitseite nach der anderen abfeuern. Die Söhne Amerikas aber erteilen ihrer Regierung schließlich die finale Lektion: „You don´t play games at the cost of other peoples´ lifes.“ Mit diesem einen Satz aus dem überrannten Washington bringt der Film seine Botschaft und den ganzen Wahnsinn der aktuellen Situation auf den Punkt – dass die Regierung mittels einer Lüge einen Krieg anzettelte, beim Lügen erwischt wurde und – wiedergewählt wurde.

Schade dass weder die Republikaner noch die religiöse Rechte Amerikas besonders viele Horrorfilme schauen.

8/26/2006

Superman Returns



15 Jahre hatte ich auf den neuen Superman-Film gewartet. So lange nämlich war er im Vorproduktions-Limbo verschollen, nachdem man Anfang der 90er Jahre einen neuen, fünften Film dieses Franchises angesagt hatte. Es folgten jahrelange Gängeleien und Missmutigkeiten, kreative und finanzielle Differenzen, eine ellenlange Liste immer wieder verworfener Hauptdarsteller und diverse Drehbuch-Versuche (unter anderem hatte sogar Kevin Smith sich an einem vesucht!). Und nun, endlich, war es also soweit.

Und dann passiert sowas.

Was wir in 145 (!) Minuten geboten bekommen, sind: Ein Superman-Darsteller mit genau zwei Gesichtsausdrücken, eine völlig fehlbesetzte Lois Lane, der man nicht für zwei Sekunden die toughe Reporterin abnimmt, einen Muppet-artigen Suppenkasper als Lex Luthor, einen völlig beknackten Plan zur Erringung der Weltherrschaft und – das ist der Abschuss – Supermans Sohn. Sowie eine Geschichte, die man mühelos in einem einfachen Subjekt-Prädikat-Objekt-Satz zusammenfassen könnte.



Der Lex Luthor der Comics ist ein gefährlicher Mann. Seine Waffen sind die Intrige, das perfide Ränkespiel und sein völlig amoralischer, brillanter Verstand. Der Lex Luthor im Film ist ein zwangsneurotischer Schwachkopf, ausgestattet mit der Konfliktfähigkeit eines Zäpfchens, der zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise bedrohlich wirken kann.

Das ist umso ärgerlicher, da Singer, der Regisseur, bereits zuvor bewiesen hat, dass er nicht in die beliebte Falle tappt, Comicverfilmungen als anarchischen Slapstick zu inszenieren, weil es „ja nur Comics sind“. Seine beiden X-Men Filme zeigen, dass der Mann die Vorlagen kennt, respektiert, und bereit ist, sich auf deren Vielschichtigkeit einzulassen. In „Superman“ aber verbrät Singer leider sein ganzes allegorisches Verständnis in einem Trommelfeuer von Jesus-Anspielungen. Das ist nur leider nicht mehr ganz neu, denn die messianische Ebene dieser Figur ist nicht nur relativ augenfällig, sondern wurde auch schon 1939 von ihren Erfindern explizit benannt und seitdem immer und immer wieder betont. Das hindert Singer leider nicht daran, seine Figuren immer wieder Dinge sagen zu lassen wie „Ich sandte meinen einzigen Sohn“, oder „Der Vater wird Sohn, der Sohn Vater“; des weiteren sehen wir Superman alle 10 Minuten in Kreuzigungspose, was nach über zwei Stunden natürlich etwas eintönig wird. Und für alle, die es dann immer noch nicht geschnallt haben, darf Superman am Ende sterben und von den Toten auferstehen. Also quasi so wie E.T.



Dabei steckt so viel mehr in dieser Figur. Scheinbar einfach angelegt, transportiert sie so viele Bedeutungs- und Inhaltsebenen, dass sie als moderne Mythologie Dekaden überlebte und noch überleben wird. Sowas passiert fiktiven Figuren nicht einfach so.

Bei soviel allegorischer Power kann man dann schon mal den Plot aus den Augen verlieren, was vermutlich die zahlreichen Logik-(Schlag-)-Löcher erklärt, die sich von Anfang an durch den Film ziehen und selbst sechsjährigen Zuschauern unweigerlich auffallen müssen. Einsames Highlight ist hierbei die Aktion am Ende, wenn Superman einen ganzen Kryptonit-Kontinent (!) in den Weltraum schleudert – wenngleich ihn keine fünf Minuten zuvor die bloße Berührung mit Kryptonit, einem für ihn giftigen Erz seines Heimatplaneten, so sehr geschwächt hatte, dass er nicht mehr geradeaus laufen konnte.

Dass man den Surrealismus einer Comicvorlage in einem Film einfangen kann, ohne die Ernsthaftigkeit oder die Spannung zu opfern, hat unlängst Christopher Nolan mit „Batman Begins“ bewiesen. Es wäre schon irgendwie fair gewesen, hätte man dem absoluten Vater aller Superhelden eine ähnliche Behandlung zukommen lassen.

7/24/2006

Gniksam Drawkcab

Ja ist es denn die Möglichkeit? Backward Masking gibt es wirklich! Jeff Milner hat sich ziemlich Mühe gemacht. Checkt mal Stairway To Heaven aus!

7/17/2006

Neulich an der Nachttanke

Eigentlich gestern, aber ich mag Alliterationen. Gestern nacht jedenfalls, an der Aral Tanke, wurde ich Zeuge folgender Szene. Drei Prolls stehen vor mir am Schalter und geben eine scheinbar einfache Bestellung auf: 2 Sixpacks X², eine Flasche Coke, 2 Becks und eine Schachtel Luckys. Also normaler Sonntagnachtbedarf. Der Nachttankenmann, erstes bis zweites Semester, wahrscheinlich Philosophie oder Kunstpädagogik, geht los und holt die Bestellung. Doch er hat sich vertan. "Ich sachte zwei X²." "Oh, sorry." Der Nachtankenmann geht wieder los, nimmt den einen Sixpack aus unerfindlichen Gründen mit und kehrt mit zwei Einzelflaschen zurück. "Ey Mann, zwei Sixpack." "Ach so, sorry, ich dachte jetzt..." Er setzt sich wieder in Bewegung, sehr langsam, stellt die beiden Flaschen zurück, und kehrt mit zwei Sixpacks zurück - Becks. "Ey Alder, ich sagte zwei Sixpacks X²!" "Häh? Eben sagtest du Becks." Der Proll und seine beiden Kumpels schreien, als hätten sie es geprobt, gleichzeitig: "ZWEI X² OKAY??" "Zwei Sixpacks X²", füge ich sicherheitshalber von hinten hinzu, möglichst unaufdringlich. Der Nachttankenmann setzt sich wieder in Bewegung. An dieser Stelle kürze ich es ein bisschen ab. Zunächst kehrt er mit zwei Sixpacks X² und zwei Sixpacks Becks zurück, beim nächsten Anlauf hat er im Prinzip alles richtig gemacht, aber vergessen, dass er irgendwann davor die zwei Becks wieder weggestellt hatte, und als er die holen gegangen ist, fällt allen Beteiligten auf, dass man die Coke völlig vergessen hatte. Einer der Prolls dreht durch und beginnt, an die Scheibe zu trommeln. "Kriegst du das jetzt endlich auf die Reihe du kleiner %$§&!§, sonst §$%/& ich dir deine %&/§!!?% " usw. Unbehaglich drehe ich mich um, hinter mir haben sich inzwischen vier weitere Kunden angesammelt. Einer geht gerade wieder. Da geht der Nachtankenmann noch mal ans Regal, holt die Coke, und hat scheinbar endlich alles beisammen. Oh Gott die Luckys, denke ich noch, als es auch schon losgeht. "DIE LUCKYS MANN!!! WO SIND DIE LUCKYS???" Einer der anderen Prolls hält seinen Kumpel an der Schulter fest. "Komm vergiss es." Es klappt, sie zahlen und fahren weg. Ich atme auf und bin endlich an der Reihe. "Bitte die 6 und eine Schachtel Luckys." Es war kein guter Scherz, er rutschte mir nur so raus. Unbeirrt tigert der Nachttankenmann los und kehrt mit einer Stange Luckys zurück. Verständnislos sehe ich ihn an. Er zögert kurz und sagt "Äh, war das Schachtel oder Stange?"
[Hier beginnt leider die Fiktion:]
Ich zertrümmerte die Scheibe, zerrte ihn raus und schlug ihn zusammen.

7/15/2006

Der Morgen danach

Heute morgen, oder besser Mittag, bin ich noch mal raus in den Garten meiner Vermieterin, den sie mir freundlich, wenn auch nicht ganz ohne Widerstand, für die Geburtstagsfeier überlassen hatte. Ich hoffte, dass sie noch nicht da gewesen war und ich das Restchaos, das uns gestern noch entgangen war, schnell noch beseitigen konnte. Als ich den Garten betrat, dachte ich mich trifft der Schlag. Die letzten angekokelten Holzstücke, die wir in der Nacht in der Feuerstelle abgelöscht hatten, hatten sich wieder entzündet und brannten munter vor sich hin - vermutlich schon seit Stunden. Was leicht hätte ins Auge gehen können, von meiner Vermieterin ganz zu schweigen. Mit mehreren Gießkannenladungen Wasser und einer Flasche Pepsi löschte ich das Feuer erneut. Diesmal ging ich auf Nummer sicher. Die von einem Ring umgebene Feuerstelle verwandelte sich in einen kleinen Swimming Pool. Na das war ja noch mal gut gegangen. Zurück zu Hause läuft mir prompt meine Vermieterin über den Weg. War sie morgens schon im Garten gewesen? Sie lächelt. Lächeln ist gut, denke ich. "Na wie war ihre Party?" erkundigt sich Frau K. "Danke, sehr schön", antworte ich, "nochmals vielen Dank dass ich ihren Garten dafür nehmen konnte." - "Ach, das ist doch selbstverständlich. Mir hat es ja auch etwas gebracht." - "Ja? Was denn?" frage ich interessiert. "Na als ich heute Morgen früh in den Garten ging, habe ich gesehen, dass noch einige kleine Glutreste in der Feuerstelle waren. Da ich heute Abend selbst Gäste eingeladen habe, konnte ich aus dem bisschen Glut das Feuer noch mal hochziehen und lasse es jetzt einfach durchbrennen bis heute Abend." Ich spüre etwas kaltes in meinem Magen. "Das... ist wundervoll," sage ich.
 
Terror Alert Level