11/23/2006

Stressinduzierte Verhaltensauffälligkeiten 1

Wie alle Leute, die die meiste Zeit des Tages arbeitend am Computer verbringen, finde auch ich immer wieder Wege, irgendwas anderes, ablenkendes, bei minimalen Zeitverlust nebenherzumachen. Was man zum Beispiel machen kann, ist: Songcover-Themenstunden. Im Hintergrund lässt man alle existierenden Coverversionen eines Klassikers laufen und erstellt in der Pause ein kleines Ranking. Beispielsweise die letzte Themenstunde heute, 15.00-16.00: Sympathy For The Devil. Hier das Ranking:
7. Ozzy Osbourne
6. Jane´s Addiction
5. Sisters Of Mercy
4. Black Crows
3. Rolling Stones
2. Guns´n´Roses
1. Udo Lindenberg
Ganz erstaunlich. Udo chillt tatsächlich immer noch am besten.

11/21/2006

Die Liste der Woche

Die 6 poetischsten Gedichtanlässe der letzten Woche

6. Der leer in die Ferne schweifende Blick der EDEKA Kassiererin, während der Betrag von meiner Geldkarte abgebucht wurde.
5. Der goldene Sonnenuntergangslichtstrahl direkt durch das einzige Loch in der Wolkendecke letzten Montag.
4. Der ältere Herr, der bei strömendem Regen unter einem schwarzen Schirm allein an einer Bushaltestelle saß.
3. Auf der warmen Seite der Scheibe auf der Fensterbank sitzen und, hinausstarrend, über das Leben nachgrübeln.
2. Das Lächeln in den Augen eines Kindes, das dem vermutlich letzten Schmetterling dieses Jahres nachblickte.
1. Fickende Hunde.

10/07/2006

Postbank-Girokonto

Heute war ich trotz angeschlagenen Gesundheitszustands kurz auf der Post, ein paar Sachen für Ebay verschicken. Folgender Dialog entspann sich. Wirklich.
Ich: "Guten Tag, ich hab hier vier Büchersendungen."
Die Frau von der Post: "Hallo! Haben Sie schon ein Postbank-Girokonto?"
Ich: "Nein, aber ich hab vier Büchersendungen, die kann ich Ihnen geben."
DFvdP: "Ja gerne! Danke! Haben Sie schon ein Postbank-Girokonto?"
Ich: "Äh... nein. Aber danke der Nachfrage. Wieviel machen die Büchersendungen?"
DFvdP: "3.20. Wieso haben Sie kein Postbank-Girokonto?"
Ich: "Bitte?"
DFvdP: "Wieso haben Sie kein Postbank-Girokonto?"
Ich: "Entschuldigen Sie, ich bin nicht interessiert an einem Postbank-Girokonto."
DFvdP: "Sie haben also kein Interesse an gebührenfreier Kontoführung und [einige andere Vorzüge, die ich nicht mehr weiß]?"
Ich: "Leider nicht, nein. Ähm... hab ich schon bezahlt?"
DFvdP: "Nein. Haben Sie denn bereits ein Girokonto?"
Ich: "Was?"
DFvdP: "Haben Sie denn bereits ein Girokonto?"
Ich: "Nein... ja natürlich... hören Sie, ich bin wirklich nicht an einem Postbank-Girokonto interessiert."(lege ihr 3.20 hin)
DFvdP: "Dann ist ihr Girokonto gebührenfrei?"
Ich: "Nein."
DFvdP: "Aber..."
Ich: "Hey was ist das?" (deute hinter Sie)
DFvdP: "Was?" (dreht sich um)
Ich hau ab.

Aliens

Es ist schon ein Kreuz mit den Aliens. Nichtsahnend liegt man im Bett und träumt, da kommen sie, richten ihre Traktorstrahlen auf dich und entführen dich direkt durch die Schlafzimmerwände in ihr Schiff, wo sie dir Kanülen in die Arterien stecken, DNA-Proben entnehmen und dich zu wilden Sex-Experimenten nötigen, denen du leider, widerwillig, Folge leisten musst. Das hab ich erlebt, das haben viele andere erlebt. Zum Glück hat Patrick Hübner, 25, („Ein Trupp Aliens kam 2003 in mein Schlafzimmer, hat mich am Unterleib untersucht“) unlängst eine Website lanciert, die den Opfern von Alienentführungen ein Forum bietet, den Vorgang selber enttabuisiert und eine faszinierende Sammlung von Trivia bezüglich des Phänomens der Entführung durch Aliens bietet. Ein Erfolg ist bereits zu verbuchen: Jens Lorek, Anwalt, hat sich weitergebildet zum ersten Spezialanwalt für Menschen, die von Außerirdischen entführt wurden. „Deutschen Opfern“, so Lorek, „stehen nach dem Opferentschädigungsgesetz Leistungen wie Heilbehandlungen, Kuren und lebenslange Renten zu“.

A pro pos, hat eigentlich jemand kürzlich die „CosmicConnexion“ auf Arte gesehen? Ich hab´s ja leider verpasst. Aber es war wohl ganz großes Kino: Eine zweieinhalbstündige Sendung, die zeitgleich zur Fernsehübertragung auch per Spezialantenne in Richtung des Sterns Errai abgestrahlt wurde, und die inhaltlich so ausgelegt war, dass sie den Aliens die Menschheit erklären sollte. Wenn das Signal dann in 45 Jahren ankommt, kann man wohl nur hoffen, dass Arte das Bild der Menschheit etwas beschönigt hat, denn ansonsten werden uns die Aliens, wenn sie nur einen Funken Verstand haben, augenblicklich vaporisieren.

9/11/2006

Die Sendung mit der Maus: Der George

Das ist der George.



Vor vielen Jahren hat er mal drei echt gute Filme und damit auch ganz schön viel Kohle gemacht. Natürlich erschienen die Filme auch auf Video, in ganz vielen Versionen. Ungefähr so viele wie eure Oma Jahre alt ist. Weil, der George, der will ja auch von was leben.

Dann gab es eine tolle neue Erfindung: Die DVD. Und natürlich brachte der George seine Filme auch auf DVD raus. Aber vorher hat er noch ganz viele neue Szenen und ganz schön stylische neue Effekte reingebaut. Und der Han, die Lieblingsfigur vom George, der durfte auch nicht mehr als erster schießen.

Weil der George dann sagte, dass die originalen Versionen seiner Filme nie auf DVD erscheinen werden, haben sich die meisten Leute dann auch die DVDs mit den komischen neuen Filmen gekauft, auch wenn sie die eigentlich gar nicht so mochten.

Aber der George, der will ja auch von was leben.

Deshalb hat er gewartet, bis fast jeder seine neuen DVDs hatte und dann was sehr schlaues gemacht: Nämlich angekündigt, dass jetzt doch die alten Versionen auf DVD rauskommen sollen. Jetzt würden sich also alle die DVDs mit den alten Fassungen seiner Filme noch dazu kaufen. Aber dann fiel ihm etwas ein und er bekam Schweißausbrüche. So wie eure Mami, wenn ihr wieder den Haushaltsreiniger getrunken habt. Und zwar fiel dem George ein, dass es ja immer noch die vier Leute gab, die die DVDs vom letzten Jahr mit den tollen neuen Sachen drauf noch immer nicht gekauft hatten: Der eine aus Nebraska, der eine aus Grönland und die zwei in Gießen. Aber der George wäre nicht der George, wenn ihm nicht auch hierzu was eingefallen wäre: Und so beschloss er, die alten Fassungen einfach ausschließlich im Doppelpack mit den neuen zu verkaufen, zum doppelten Preis. Jetzt müssen also alle, die nur die alten Versionen von den Filmen vom George wollten, trotzdem die neuen dazu kaufen.

Ist schon ´n Fuchs, der George

9/04/2006

Gespenter Geschichten - Eine Moritat

Vor knapp 30 Jahren ging der Bastei-Verlag mit einer deutschen Comicheftserie an den Start, die innerhalb kürzester Zeit sogar die Auflagenzahl der Micky Maus überholte und für 30 Jahre lang die deutsche Heftchenlandschaft entscheidend mitprägte: Gespenster Geschichten. Jede der wöchentlich erscheinenden Nummern enthielt jeweils 4-5 Kurzgeschichten und ein Bild aus der „Monster Galerie“.



In bester Poe-Manier waren die Helden der Geschichten meist Anti-Helden, die zum Ende hin ihr zumeist verdientes Schicksal ereilte. Nur waren die Geschichten eben nicht von Poe. Auch nicht von irgendeinem anderen halbwegs begabten Schriftsteller. Nein, sie waren Edel-Trash erster Güte, offensichtlich nach dem Prinzip freien Assoziierens geschrieben und vermutlich während der Mittagspause in der Bastei Verlagskantine verfasst.

Eigentlich waren es ja auch gar nicht viele Geschichten, es gab vielmehr eine überschaubare Anzahl von Geschichten-Prototypen, die sich fast identisch immer wieder aufs Neue abspielten.

Typ 1: Der Protagonist begeht einen Mord aus niederen Motiven, doch der Geist des Opfers kehrt zurück und rächt sich blutig.
Typ 2: Der Protagonist schlägt alle Warnungen einer alten Frau / eines verängstigten Eingeborenenstammes / einer geheimnisvollen Hellseherin in den Wind und verschafft sich einen verfluchten Schatz/Schmuckgegenstand/Götzenbild. Daraufhin erscheint ihm ein Geist/Monster/Inkagott und rächt sich blutig.
Typ 3: Der Protagonist rettet eine Jungfrau in Nöten vor einem vermeintlich gefährlichen Monster, um dann festzustellen, dass die JiN sich in das eigentliche Monster verwandelt - vor dem ihn Monster #1 nur warnen wollte - und ihn auffrisst.
Typ 4: Der Protagonist schließt einen Pakt mit einem Geist/Dämon/dem Teufel persönlich, weil er denkt, er könne sich den Konsequenzen durch einen Trick entziehen, stattdessen zieht er aber natürlich die Arschkarte.
Typ 5: Der Protagonist kann mit seiner Freundin einem Vampir/Werwolf/irgendwie geartetem Monster in letzter Sekunde entwischen, muss aber zu Hause feststellen, dass es seine Freundin leider doch erwischt hat, da sie plötzlich als Vampir/Werwolf/IgM vor ihm steht.

Die Vorhersehbarkeit machte die Heftchen aber erst richtig cool. Und dass sie noch übler getextet als gezeichnet waren, fiel einem mit 10 natürlich nicht auf. Beispielsweise machten die Männer immer „AAARGH“, während die Frauen immer „JIIIII“ machten. Die Namen der Protagonisten waren meist Verballhornungen wie „Jack Landon“, „Micky Jagger“, „Jack Frost“ etc. Ausrufe des Entsetzens (neben AAARGH und JIIII) waren ausschließlich „Meiner Treu!“, „Allmächtiger!“ und „Bei allen...“. Außerdem neigten alle Figuren dazu, auch in den gräßlichsten Situationen das gerade Passiernde noch einmal in einem Monolog zu rekapitulieren: „Meiner Treu! Die gallertartige Masse scheint lebendig... sie formt sich zu einer skelettierten Hand... greift nach mir und drückt mir die Kehle zu! Bei allen...!“ Am Ende der Geschichten stand meistens nicht „Ende“ sondern ein kurzer Schriftzug, der schnell zum Kult wurde: „Seltsam? Aber so steht es geschrieben...“ Das allergeilste aber waren immer die markigen Titel. Wenn es in einer Geschichte beispielsweise um ein Ungeheuer ging, das im Sumpf wohnt, dann hieß die Geschichte nicht „Das Ungeheuer aus dem Sumpf“, sondern „Im Bannkreis des Schlamm-Dämons“ oder „Attacke des Unterwasser-Seelenholers“ oder so.

Dieses Jahr jedoch ging es dann schließlich doch zu Ende mit dieser phantastischen Serie. Eigentlich schon im März, ich habe es aber erst dieser Tage mitbekommen, denn selbst ich, der ja noch so einiges liest, war dieser Reihe natürlich seit langem entwachsen. Trotzdem war sie ein bestimmendes Stück kollektiver Kindheitskultur und prägte den Heftchenmarkt, vor allem in den 80ern, mit ihrer ganzen bezaubernd-trashigen Sinn- und Wertlosigkeit sowie der sympathischen, völligen Abwesenheit jedes pädagogischen Gehalts und jeder politischen Korrektheit wie keine andere Serie. Aber irgendwann geht es eben auch mit Untoten zu Ende.

9/01/2006

Zombies

Ich mag keine Zombie-Filme. Der erste Vertreter dieses Genres, George A. Romeros legendäres „Night Of The Living Dead“ war noch ´ne ziemlich coole Sache, da es sich hierbei ja eigentlich um einen abgrundtief zynischen Kommentar auf die Degeneration der westlichen Gesellschaft handelte. Viel mehr gab es aber dazu nicht mehr zu sagen, weshalb alle 30.000 folgenden Zombie-Filme diese Idee nur immer wieder aufbrühten – oder das ganze gleich wegließen und einfach nur 90 Minuten Gemetzel zeigten. Zum Thema war eigentlich alles gesagt, weshalb alle folgenden, nach dem ewig gleichen Schema ablaufenden Streifen nur noch langweilig waren und sich folglich durch stetig hochgeschraubten Ekel-Faktor an der Befriedigung ganz anderer Bedürfnisse versuchten. (Was geschickt war, denn so konnte die Zielgruppe beruhigt ihren sadistischen Bedürfnissen nachgehen und dies mit dem immer wieder neu entdeckten politischen Subtext rechtfertigen.)

Das war also meine Meinung zu Zombiefilmen. Bis ich jetzt durch Zufall in einer Horror-Anthologie etwas so geiles entdeckt habe, dass ich versucht bin, meine Meinung zu revidieren: Joe Dantes „Homecoming“.


Um was geht’s?

In einer Talkshow des amerikanischen und rechten Senders FOX reagiert ein Politiker auf die Frage nach dem „Warum“ des Irakkrieges und dem Tode hunderter Soldaten mit dem gespielt emotionalen Ausbruch: „If I had one wish, I´d wish for these fallen American soldiers to come back. Because then, they would tell us that they are proud. Proud that they have fallen for a just cause and their country.“ Leider wird sein Wunsch – von wem auch immer – erhört, und die im Irakkrieg gefallenen Soldaten kehren tatsächlich zurück, und zwar als verschimmelnde Untote. Allerdings nicht, um sich an Menschenfleisch gütlich zu tun. Zunächst reagiert Amerika euphorisch: „I do not want to mock an obviously lesser God, but I guess these Islamist fundamentalists are pretty freaked out by this holy sign of our one true Lord, that the USA will prevail.“ Als die Zombies jedoch eine Pressekonferenz einberufen und erklären, dass sie zurückgekommen sind, um bei der anstehenden Wahl gegen den amtierenden Präsidenten und für jeden zu stimmen, der diesen „auf Lügen basierenden Krieg“ beendet, ändert sich die Meinung der Republikaner und der religiösen Rechten: „This satanic hellspawn is a sign for the end of days, and the devil sent them to make us walk astray from our path.“

Man beginnt, sich Sorgen um die Wiederwahl zu machen: „Can´t we just ignore them? What damage can a couple of hundred votes do to an national election campaign?“ - „One word: Florida.“ - „Oh.“ Der Versuch, die Zombies auf rechtlichem Weg ihres Wahlrechts zu berauben, scheitert jedoch, und die Wahlnacht scheint das Ende der Bush-Administration zu besiegeln. Doch die Präsidentenberaterin hat auch hier eine Lösung: „The people may vote – but we count the votes.“ Und tatsächlich verliert die Linke erneut die Wahl.

Woraufhin die Gefallenen aller amerikanischen Kriege auferstehen, die USA überrennen und Washington besetzen.

Joe Dante ist eine bekennende linke Zecke und liefert hier den ultimativen Kommentar zur aktuellen politischen Situation ab. Die untoten Soldaten sind die Träger der Moral, die rechte Regierung dagegen ein machtpolitisch und heuchlerisch agierendes Instrument, welches mit einer bewussten Lüge – den berüchtigten „weapons of mass destruction“ - einen Krieg entfacht, um ganz eigene Interessen zu verfolgen. Da Bush niemals namentlich genannt wird, können sich die Macher des Films hier so richtig weit aus dem Fenster lehnen („He is not stupid. He has a way of making stupid people believe he´s like them.“) und eine brutale Breitseite nach der anderen abfeuern. Die Söhne Amerikas aber erteilen ihrer Regierung schließlich die finale Lektion: „You don´t play games at the cost of other peoples´ lifes.“ Mit diesem einen Satz aus dem überrannten Washington bringt der Film seine Botschaft und den ganzen Wahnsinn der aktuellen Situation auf den Punkt – dass die Regierung mittels einer Lüge einen Krieg anzettelte, beim Lügen erwischt wurde und – wiedergewählt wurde.

Schade dass weder die Republikaner noch die religiöse Rechte Amerikas besonders viele Horrorfilme schauen.

8/26/2006

Superman Returns



15 Jahre hatte ich auf den neuen Superman-Film gewartet. So lange nämlich war er im Vorproduktions-Limbo verschollen, nachdem man Anfang der 90er Jahre einen neuen, fünften Film dieses Franchises angesagt hatte. Es folgten jahrelange Gängeleien und Missmutigkeiten, kreative und finanzielle Differenzen, eine ellenlange Liste immer wieder verworfener Hauptdarsteller und diverse Drehbuch-Versuche (unter anderem hatte sogar Kevin Smith sich an einem vesucht!). Und nun, endlich, war es also soweit.

Und dann passiert sowas.

Was wir in 145 (!) Minuten geboten bekommen, sind: Ein Superman-Darsteller mit genau zwei Gesichtsausdrücken, eine völlig fehlbesetzte Lois Lane, der man nicht für zwei Sekunden die toughe Reporterin abnimmt, einen Muppet-artigen Suppenkasper als Lex Luthor, einen völlig beknackten Plan zur Erringung der Weltherrschaft und – das ist der Abschuss – Supermans Sohn. Sowie eine Geschichte, die man mühelos in einem einfachen Subjekt-Prädikat-Objekt-Satz zusammenfassen könnte.



Der Lex Luthor der Comics ist ein gefährlicher Mann. Seine Waffen sind die Intrige, das perfide Ränkespiel und sein völlig amoralischer, brillanter Verstand. Der Lex Luthor im Film ist ein zwangsneurotischer Schwachkopf, ausgestattet mit der Konfliktfähigkeit eines Zäpfchens, der zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise bedrohlich wirken kann.

Das ist umso ärgerlicher, da Singer, der Regisseur, bereits zuvor bewiesen hat, dass er nicht in die beliebte Falle tappt, Comicverfilmungen als anarchischen Slapstick zu inszenieren, weil es „ja nur Comics sind“. Seine beiden X-Men Filme zeigen, dass der Mann die Vorlagen kennt, respektiert, und bereit ist, sich auf deren Vielschichtigkeit einzulassen. In „Superman“ aber verbrät Singer leider sein ganzes allegorisches Verständnis in einem Trommelfeuer von Jesus-Anspielungen. Das ist nur leider nicht mehr ganz neu, denn die messianische Ebene dieser Figur ist nicht nur relativ augenfällig, sondern wurde auch schon 1939 von ihren Erfindern explizit benannt und seitdem immer und immer wieder betont. Das hindert Singer leider nicht daran, seine Figuren immer wieder Dinge sagen zu lassen wie „Ich sandte meinen einzigen Sohn“, oder „Der Vater wird Sohn, der Sohn Vater“; des weiteren sehen wir Superman alle 10 Minuten in Kreuzigungspose, was nach über zwei Stunden natürlich etwas eintönig wird. Und für alle, die es dann immer noch nicht geschnallt haben, darf Superman am Ende sterben und von den Toten auferstehen. Also quasi so wie E.T.



Dabei steckt so viel mehr in dieser Figur. Scheinbar einfach angelegt, transportiert sie so viele Bedeutungs- und Inhaltsebenen, dass sie als moderne Mythologie Dekaden überlebte und noch überleben wird. Sowas passiert fiktiven Figuren nicht einfach so.

Bei soviel allegorischer Power kann man dann schon mal den Plot aus den Augen verlieren, was vermutlich die zahlreichen Logik-(Schlag-)-Löcher erklärt, die sich von Anfang an durch den Film ziehen und selbst sechsjährigen Zuschauern unweigerlich auffallen müssen. Einsames Highlight ist hierbei die Aktion am Ende, wenn Superman einen ganzen Kryptonit-Kontinent (!) in den Weltraum schleudert – wenngleich ihn keine fünf Minuten zuvor die bloße Berührung mit Kryptonit, einem für ihn giftigen Erz seines Heimatplaneten, so sehr geschwächt hatte, dass er nicht mehr geradeaus laufen konnte.

Dass man den Surrealismus einer Comicvorlage in einem Film einfangen kann, ohne die Ernsthaftigkeit oder die Spannung zu opfern, hat unlängst Christopher Nolan mit „Batman Begins“ bewiesen. Es wäre schon irgendwie fair gewesen, hätte man dem absoluten Vater aller Superhelden eine ähnliche Behandlung zukommen lassen.

7/24/2006

Gniksam Drawkcab

Ja ist es denn die Möglichkeit? Backward Masking gibt es wirklich! Jeff Milner hat sich ziemlich Mühe gemacht. Checkt mal Stairway To Heaven aus!

7/17/2006

Neulich an der Nachttanke

Eigentlich gestern, aber ich mag Alliterationen. Gestern nacht jedenfalls, an der Aral Tanke, wurde ich Zeuge folgender Szene. Drei Prolls stehen vor mir am Schalter und geben eine scheinbar einfache Bestellung auf: 2 Sixpacks X², eine Flasche Coke, 2 Becks und eine Schachtel Luckys. Also normaler Sonntagnachtbedarf. Der Nachttankenmann, erstes bis zweites Semester, wahrscheinlich Philosophie oder Kunstpädagogik, geht los und holt die Bestellung. Doch er hat sich vertan. "Ich sachte zwei X²." "Oh, sorry." Der Nachtankenmann geht wieder los, nimmt den einen Sixpack aus unerfindlichen Gründen mit und kehrt mit zwei Einzelflaschen zurück. "Ey Mann, zwei Sixpack." "Ach so, sorry, ich dachte jetzt..." Er setzt sich wieder in Bewegung, sehr langsam, stellt die beiden Flaschen zurück, und kehrt mit zwei Sixpacks zurück - Becks. "Ey Alder, ich sagte zwei Sixpacks X²!" "Häh? Eben sagtest du Becks." Der Proll und seine beiden Kumpels schreien, als hätten sie es geprobt, gleichzeitig: "ZWEI X² OKAY??" "Zwei Sixpacks X²", füge ich sicherheitshalber von hinten hinzu, möglichst unaufdringlich. Der Nachttankenmann setzt sich wieder in Bewegung. An dieser Stelle kürze ich es ein bisschen ab. Zunächst kehrt er mit zwei Sixpacks X² und zwei Sixpacks Becks zurück, beim nächsten Anlauf hat er im Prinzip alles richtig gemacht, aber vergessen, dass er irgendwann davor die zwei Becks wieder weggestellt hatte, und als er die holen gegangen ist, fällt allen Beteiligten auf, dass man die Coke völlig vergessen hatte. Einer der Prolls dreht durch und beginnt, an die Scheibe zu trommeln. "Kriegst du das jetzt endlich auf die Reihe du kleiner %$§&!§, sonst §$%/& ich dir deine %&/§!!?% " usw. Unbehaglich drehe ich mich um, hinter mir haben sich inzwischen vier weitere Kunden angesammelt. Einer geht gerade wieder. Da geht der Nachtankenmann noch mal ans Regal, holt die Coke, und hat scheinbar endlich alles beisammen. Oh Gott die Luckys, denke ich noch, als es auch schon losgeht. "DIE LUCKYS MANN!!! WO SIND DIE LUCKYS???" Einer der anderen Prolls hält seinen Kumpel an der Schulter fest. "Komm vergiss es." Es klappt, sie zahlen und fahren weg. Ich atme auf und bin endlich an der Reihe. "Bitte die 6 und eine Schachtel Luckys." Es war kein guter Scherz, er rutschte mir nur so raus. Unbeirrt tigert der Nachttankenmann los und kehrt mit einer Stange Luckys zurück. Verständnislos sehe ich ihn an. Er zögert kurz und sagt "Äh, war das Schachtel oder Stange?"
[Hier beginnt leider die Fiktion:]
Ich zertrümmerte die Scheibe, zerrte ihn raus und schlug ihn zusammen.

7/15/2006

Der Morgen danach

Heute morgen, oder besser Mittag, bin ich noch mal raus in den Garten meiner Vermieterin, den sie mir freundlich, wenn auch nicht ganz ohne Widerstand, für die Geburtstagsfeier überlassen hatte. Ich hoffte, dass sie noch nicht da gewesen war und ich das Restchaos, das uns gestern noch entgangen war, schnell noch beseitigen konnte. Als ich den Garten betrat, dachte ich mich trifft der Schlag. Die letzten angekokelten Holzstücke, die wir in der Nacht in der Feuerstelle abgelöscht hatten, hatten sich wieder entzündet und brannten munter vor sich hin - vermutlich schon seit Stunden. Was leicht hätte ins Auge gehen können, von meiner Vermieterin ganz zu schweigen. Mit mehreren Gießkannenladungen Wasser und einer Flasche Pepsi löschte ich das Feuer erneut. Diesmal ging ich auf Nummer sicher. Die von einem Ring umgebene Feuerstelle verwandelte sich in einen kleinen Swimming Pool. Na das war ja noch mal gut gegangen. Zurück zu Hause läuft mir prompt meine Vermieterin über den Weg. War sie morgens schon im Garten gewesen? Sie lächelt. Lächeln ist gut, denke ich. "Na wie war ihre Party?" erkundigt sich Frau K. "Danke, sehr schön", antworte ich, "nochmals vielen Dank dass ich ihren Garten dafür nehmen konnte." - "Ach, das ist doch selbstverständlich. Mir hat es ja auch etwas gebracht." - "Ja? Was denn?" frage ich interessiert. "Na als ich heute Morgen früh in den Garten ging, habe ich gesehen, dass noch einige kleine Glutreste in der Feuerstelle waren. Da ich heute Abend selbst Gäste eingeladen habe, konnte ich aus dem bisschen Glut das Feuer noch mal hochziehen und lasse es jetzt einfach durchbrennen bis heute Abend." Ich spüre etwas kaltes in meinem Magen. "Das... ist wundervoll," sage ich.

Die Liste der Woche

Die Top Five Glückwünsche zu meiner diesjährigen Geburtstagsfete

5. Man ist nur so alt wie man sich fühlt.
4. Es ist doch nur eine Zahl.
3. Schön, dass du das trotzdem feiern kannst.
2. Ich finde du siehst jünger aus... obwohl... nee doch nicht.
1. Du bist am Ende.

7/09/2006

Die Liste der Woche

Dinge, die Materazzi zu Zidane gesagt haben könnte

8. Deine Mutter sagte letzte Nacht auch, dass ihr heute scheitern werdet.
7. Respekt, so eine Kondition in deinem Alter.
6. Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben.
5. Ich kann mir nicht vorstellen dass man mit Glatze wirklich mehr Kopfballpower hat.
4. Zizou... erinnere dich an die Hypnokonditionierung gestern nacht... "Rosebud"! "Rosebud"!
3. Hilf mir mal, ich hab so ein Stechen in der Brust, ich glaub da hat sich ein Nerv eingeklemmt.
2. Pass auf wir spielen Pamplona. Wetten ich kann ausweichen?
1. Hey, mach doch jetzt bitte mal was echt dummes.

7/08/2006

Untot

Auf dem Weg nach Hause hatte ich heute morgen eine interessante Begegnung. Ich ging gerade, leicht bis mittelschwer angetrunken, die Bleichstraße hinunter, als ich in einer Hofeinfahrt eine Frau sah, die verzweifelt vor einer verschlossenen Tür stand und sich die Fingernägel am Türrahmen blutig kratzte. Am Boden lagen Drähte, verknittert und verbogen, offenbar Zeichen eines misslungenen Versuchs, das Türschloss zu knacken. Ich trat näher und erkannte, dass es meine damalige Freundin aus meiner Zivizeit vor vielen Jahren war. Sie hatte sich in all der Zeit überhaupt nicht verändert. Außer, dass diesmal Tränen in ihren Augen standen. Sie schien mich nicht zu erkennen und stammelte mit wirrem Blick "Ich wohne hier... ich muss hier rein...". Angesichts unserer Vergangenheit muss ich zugeben, dass mir der Anblick ihres offenkundigen Unbehagens nicht gänzlich zuwider war. "Du wohnst hier in der Stadt? Seit wann? Wann bist du aus Mainz weg?" "Ich muss hier rein", ihre Finger krallten sich in meinem Hemdkragen, Mascararinnsale bedeckten ihre Wangen, "ich habe meine Schlüssel verloren und ich muss hier REIN! JETZT!!" Über den Horizont traten die ersten Sonnenstrahlen, trafen auf ihren nach wie vor wunderschönen Körper und sie explodierte in einer Wolke aus Staub. "Jungejunge", dachte ich, "dass ich das nicht damals schon gemerkt habe." Ich wischte mir den Staub vom Kragen und ging weiter.

8. Juli 2006

Das kleine Finale. Irgendwie ist das eine ziemlich undankbare Sache. Die Euphorie lange tot, grausam dahingemeuchelt von den Italienern, und das einzige, was undankbarer ist als der dritte Platz, ist wohl der zweite. Aber irgendwie will man es ja doch sehn. Oder muss, weil die Fifa es von einem erwartet, keine Ahnung. Also verabredet man sich, findet sich vorm Fernseher oder im Open Air ein, nur noch jeder Dritte mit einer halbherzig und schlampig auf die Backe gekritzelten Deutschlandfahne, und sieht interessiert, aber nicht elektrisiert, den Spielzügen zu. Und dann entwickelt sich Magie. Die Bälle prasseln ins gegnerische Netz, Kahn grinst, die Sprechchöre erwachen. Und am Ende fühlt es sich irgendwie doch ganz gut an, irgendwie - wie ein kleines Finale eben. Weil wir gut sind, und weil wir die WM gewonnen hätten, hätten die Sterne günstiger gestanden. Absolut überraschend antwortet Kahn nach dem Spiel auf die obligatorische Frage nach seiner Zukunft nicht mit dem obligatorischen "Mal sehen", sondern mit einer klaren Ansage. Und so wird die Nacht feiernswert durch einen beinharten Sieg und ein kleines Stück gefühlte Geschichte, und endlich komme ich mal wieder nach 5 nach Hause.

7/04/2006

4. Juli 2006

Der Gau von Dortmund.
118 Minuten geht nichts, und dann zwei Tore in zwei Minuten, eine gedehnte Sekunde vom wahrscheinlich rettenden Elfmeter entfernt.
Enttäuschung, Betrug, Fassungslosigkeit.
Keine Pointe diesmal.

6/21/2006

Easy Arcor

Es klingelt. Es ist meine Vermieterin.
Frau K.: "Entschuldigen Sie die Störung, ich wollte mal fragen, betreiben Sie Internettelefonie?"
Ich: "Nein, ich bin bei Arcor."
Frau K.: "Wir haben da nämlich ein kleines Problem im Haus, und zwar ist in allen Wohnungen öfters der Fernsehempfang gestört. Ein Fachmann sagte mir, dass das daran liegt dass einer der Mieter bei "easy" übers Internet telefoniert, den Anschluss aber nicht entstört hat."
Ich: "Das ist ja ärgerlich. War mir nicht aufgefallen, weil ich kein Fernsehen habe. Aber ich bin bei Arcor."
Frau K.: "Sind Sie sicher?"
Ich: "Aber ja."
Frau K.: "Weil, wenn man den Anschluss nicht von einem Fachmann einrichten lässt, kommt es zu diesen Störungen."#
Ich: "Okay. Aber ich bin bei Arcor."
Frau K.: "Ich meine ja nur, wenn, dann muss man das von einem Fachmann einrichten lassen."
Ich: "Ich bin nicht bei easy."
Frau K.: "Das war aber in Ihrer Post."
Ich: "Ich bin bei Arcor."
Frau K.: "Ich sage ja nur, wenn Sie bei easy wären, dann müssten Sie den Anschluss von einem Fachmann einrichten lassen."
Ich: "Ich bin bei Arcor."
Frau K.: "Dann ist ja alles klar. Weil, der easy Anschluss müsste professionell enstört werden."
Ich: "Gut. Ich bin bei Arcor."
Frau K.: "Ok, das wollt ich nur sagen. Weil, wenn Sie bei easy sind, müssten Sie das machen."
Ich: "Ich bin aber bei Arcor, Frau K."
Frau K.: "Ich wollt´s nur sagen. Weil der easy Anschluss ist ein echtes Problem. Dann schönen Tag noch!"

Die Liste der Woche

WM-Mannschaften, zu denen deutsche Mädchen halten

8. Die mit dem schönsten Trikot
7. Die mit der buntesten Flagge
6. Die mit dem hübschesten Torwart
5. Die mit dem hübschesten Stürmer
4. Die mit dem Spieler, der nach gegnerischen Toren immer so traurige Augen hat
3. Die für die kein anderer im Raum ist
2. Schweden
1. Kassel Huskies

6/11/2006

Frau Kottmann

Zwei Stockwerke unter mir leben die Eheleute Kottmann. Beide so um die 70 und sehr zuvorkommend, sind sie die nettesten Nachbarn, die man sich vorstellen kann. Unlängst haben sie mich dann zu ihrer Grillparty eingeladen. Ich dachte mir, ich geh mal auf ein kleines Steak vorbei. Pünktlich um halb 7 betrat ich (zum ersten Mal) die schöne Wiese hinter unserem Mietshaus, die die Kottmanns mit gemietet haben, und die man nur durch ihre Terassentür betreten kann. Auf der Wiese stand ein weißer Tisch, an dem sieben oder acht Leute im Alter der Kottmanns saßen. Bevor ich mich vorstellen konnte, begrüßte mich schon einer der Gäste, eine ebenfalls sehr lieb aussehende ältere Dame, mit meinem Namen. Frau Kottmann stellte mich dann trotzdem noch mal vor, beschrieb mich als sehr liebenswerten Nachbarn und fügte dann hinzu: "Aber da muss ich sie gerade mal was fragen, warum sind sie denn gestern Nacht um halb drei nach Hause gekommen und gleich darauf wieder weggefahren?" Die freundlich-neugierigen Blicke der Gäste auf mir ruhend, antwortete ich "Oh das tut mir leid, habe ich Sie beim Wegfahren geweckt?" "Nein nein", erwiderte Frau Kottmann, "ich war sowieso wach. Ich hatte mich auch nur gewundert. Als ich heute mit meiner Schwester telefonierte, fragte ich sie auch gleich, ob sie eine Theorie hätte. Sie meinte, er hätte sicher auf der WM-Party eine nette Frau getroffen und wäre dann kurz nach Hause gefahren, um nochmal zu duschen und Präservative zu holen." Stille. Nach wie vor freundlich-neugiereige Blicke der Gäste. "Frau Kottman", sagte ich, "Sie sind die interessantesten Nachbarn, die ich je hatte."

5/18/2006

Wirklich dumme Fragen, Folge 1

Donnerstag Nachmittag. Ich möchte den Müll aus meiner Wohnung im dritten Stock heruntertragen, doch der Eimer rutscht mir aus der Hand. Der Müll ergießt sich über das gesamte Treppenhaus bis ins Erdgeschoss. Der Eimer poltert immerhin ein Stockwerk weit und knallt dann gegen die Haustür meiner Vermieterin. Sofort öffnet sich die Tür, meine Vermieterin blickt sich kurz um und sagt: "Muss das sein?"
 
Terror Alert Level