7/18/2005

Trau keinem über 30

Wie die meisten wissen, bin ich vor kurzem 29 geworden. Damit befinde ich mich nun im psychologisch gesehen dritt-undankbarsten Lebensjahr (nach 30 und 40). Hier nun ein Erfahrungsbericht für alle, denen diese Lebensphase bevorsteht, die mitten drin stecken, oder mit dem Gedanken spielen, dafür zu sorgen, dass es nie soweit kommt.

Alles was sie euch erzählen, ist wahr. Es ist ein ätzendes Alter. Die Auswirkungen stellen sich subtil, aber unaufhaltsam ein:

Zunächst ist da natürlich der unvermeidliche Nostalgieschub. Je mehr man feststellt, dass diese jungen Leute von heute wesentliche, ja definierende Stützpfeiler der eigenen Jugend nicht mal mehr kennen – z.B. Hörspielcasetten, Yps mit Gimmick oder Slimey – um so besessener beginnt man selbst wieder, sich diesen Dingen zu widmen. Da kann´s dann schon mal passieren, dass man sich bei Ebay eine Mastersfigur ersteigert, die irgendwie immer in der Sammlung gefehlt hat, die man doch jetzt, nach 20 Jahren, eigentlich langsam mal vervollständigen könnte. (Die nagende Stimme der Rationalität flüstert einem dann ins Ohr „Was zum Geier willst du eigentlich damit“, wird aber mit einem zielsicheren Schlag in den Solarplexus durch Battle Armor He-Mans Schwingfaust zum Schweigen gebracht.)

Gleichzeitig bemerkt man eines Tages das erste graue Haar. Hat man es erst mal bemerkt, ist es unmöglich, es je wieder zu übersehen – in etwa der selbe Effekt, der einen beim Texas Kettensägen Massaker wider besseres Wissen unverwandt und merkwürdig fasziniert hinsehen lässt – und richtig gelitten hat man, wenn es ausgerechnet in der Augenbraue sprießt. Überhaupt geht´s körperlich bergab. Man wird fetter und kurzatmiger, und das hat natürlich überhaupt nichts damit zu tun, dass man zu fettig isst und zu viel raucht, nein, das Alter ist schuld!

Aus den Augenwinkeln, gerade so am Rande des Blickfelds, nimmt man die ersten Werbeplakate für Ü 30 Parties wahr und fragt sich, wie es so weit kommen konnte. Und auf den Parties, auf denen man ist, geschieht es immer häufiger, dass sich Anwesende spontan in nostalgischen Revival-Grüppchen zusammenfinden, weil aus der Anlage The Unknown Stuntman tönt, und die nächsten zwei Stunden verbringt man dann mit Gesprächen darüber, wie cool Jodie immer in der Saloontür stand, und dass Howie nicht trotz, sondern gerade wegen dem Deppen-Faktor so cool war. Dabei durchströmt einen ein unerklärliches, wohliges Gefühl, wie damals, Samstag abends nach dem Baden, mit einer Schüssel Erdnussflips im Schoß, wenn man im Regionalprogramm Familie Feuerstein schaute und gleich Wetten Dass losgehen würde.

Zusätzlich erschwert wird das alles natürlich auch noch durch hämischen Spott sogenannter Freunde, die völlig haltlos behaupten, man würde sich da in etwas reinsteigern. Also bitte!!!

2 comments:

lars_alexander said...

Du hast Dich wahrscheinlich in "Madagascar" total verstanden gefühlt, als das doofe Zebra seinen 10. Geburtstag feierte, mit den Worten "10 Jahre, die Hälfte meines Lebens ist rum!"...

Ich schlage Dir vor - und ich mein es ernst - schreib ein Buch darüber.

Wird ein großer Erfolg werden. Fast so groß wie ... na, Du weißt schon ;o)

Jodie gehört übrigens zu den ersten Zehn in der "Wet Dreams Favourites"-Liste ;o)

Vielleicht kann man sich ein Poster von ihr ersteigern.

Ronny said...

OK jetzt hab ich´s gelesen! Tja was soll ich sagen, hab gerade mal bei Ebay geschaut, gibt keine Heather Thomas Poster (zumindest zur Zeit:-/)

 
Terror Alert Level