4/25/2009

Brocabulary: The New Man-I-Festo of Dude Talk

Unlängst schenkte mir ein guter Freund, nachdem ich ihm von meiner Begeisterung für die Serie How I Met Your Mother berichtete (Das neue Friends!) ein Buch, das an den "Bro Code" einer der Hauptfiguren angelehnt ist: Brocabulary. Ich kann dieses Buch, das den ultimativen Verhaltenskodex für Männerfreundschaften darstellt, uneingeschränkt empfehlen. Hier, in Anlehnung an meine alten Top-Ten-Listen, ein paar Auszüge des Bro Codes:
10. If a Bro gets a dog, it must be at least as tall as his knee when full-grown!
9. A Bro shall not sleep with another Bro’s sister. However, a Bro shall not get angry if another Bro says: „Dude, your sister’s hot!”
8. A Bro never dances with his hands above his head.
7. Bros cannot make eye contact during a devil's threeway.
6. A Bro will, in a timely manner, alert his Bro to the existence of a girl fight.
5. If two Bros decide to catch a movie together, shall not split a tub of popcorn.
4. A Bro doesn’t grow a mustache.
3. When wearing a baseball cap, a Bro may position the brim at either twelve or six o’clock. All other angles are reserved for rappers and the handicapped.
2. A Bro shall stop whatever he’s doing and watch Die Hard if it’s on TV.
1. There is no law that prohibits a woman from being a Bro.


Intellektuelle Verständnisblockaden

Erlebte Dialoge kürzlich beim Feierabendbier:
- "Restaurant zu Löwen? Kenn ich gar nicht."
- "Aber das ist doch voll bekannt hier. Hat schon Goethe drin gespeist. Mittlerweile ist ein ziemlich guter Italiener drin."
- "Wo ist es denn?"
- "Na wenn du beim Innenstadt-McDonalds die Straße reingehst, da an der Ecke."
- "Welche Straße?"
- "Da wo früher die Rahmenhandlung war."
- "Wie meinst du das, die Rahmenhandlung?"
- "Na da gegenüber von der alten Rahmenhandlung."
- "Hä wie Rahmenhandlung??"
- "Na das Geschäft. Das Geschäft, das Bilderrahmen verkaufte."
- "..."

4/21/2009

Wie die Wachowski Brüder ihre Seele zurückgewannen

Heute Abend habe ich wieder mal "Speed Racer" gesehen. Jetzt gibt es wahrscheinlich zwei Sorten Menschen: Die überwältigende Mehrheit meiner zwei Leser, die sagt: "Speed Racer? Was ist das?" Und zum anderen jene, die sagen: "Warum zum Geier sieht sich jemand diesen finanziell gesehen absolut kolossalsten Flop der gesamten Filmgeschichte an, der in den USA und dem Rest der Welt zusammengenommen nur unbedeutend mehr Kinozuschauer hatte als dieser Blog Leser?"

Speed Racer? Was ist das?

Die Realverfilmung eines japanischen Anime-Klassikers, in dem es um einen familiären Rennstall um den Titelhelden Speed (Vorname) Racer (Nachname) geht, der sich in einem futuristischen Off-Limits Rennen mit noch futuristischeren Autos, das aber irgendwie trotzdem in den 60ern spielt, ein ums andere Mal gegen die abgrundtief böse Konkurrenz durchsetzt. 

Und Warum zum Geier sieht sich jemand diesen finanziell gesehen absolut kolossalsten Flop der gesamten Filmgeschichte an, der in den USA und dem Rest der Welt zusammengenommen nur unbedeutend mehr Kinozuschauer hatte als dieser Blog Leser ?

Nun, diese Antwort fällt nicht schwerer, benötigt aber etwas mehr Platz. Und andererseits ist es auch wieder sehr einfach. Speed Racer ist ein unglaublich guter Film.

Vor einem Jahr brachten die Wachowski Brothers Speed Racer in die Kinos und scheiterten, wie noch nie jemand zuvor gescheitert ist. Und gewannen doch. Der Film erzählt die Geschichte des Rennfahrers Speed, der sich gegen sinistre Intrigen und einen scheinbar allmächtigen Rennstall-Moloch durchsetzt und das wichtigste Rennen der Welt gewinnt, um seinen familiären Mini-Rennstall und die Ehre seines in Verruf geratenen großen Bruders zu retten. 

Na das ist ja mal ne komplexe Handlung.

Es geht hier nicht um die Handlung. Es geht um was ganz anderes.

Ach ja? Und um was?

Um einiges. Zunächst mal - werkimmanent - darum, wie es den Regisseuren gelingt, das Genre des japanischen Animes in einen Film umzusetzen. Ich selber bin kein großer Anime-Fan. Aber die Art und Weise, wie hier dieses Medium zutiefst verstanden, aufgearbeitet und transzendiert wird, sei es auf der inhaltlichen Ebene, auf der visuellen Ebene oder der kulturellen Ebene, lässt einen in die Knie gehen und um Gnade winseln. 

Geschätze 57 Euro Gesamteinspielergebnis sagen etwas anderes. 

Das ist wohl wahr, und nicht nur das Einspielergebnis, sondern auch die Tatsache, dass der Film nur ein Jahr nach Erscheinen bei Media Markt für 4,90 verramscht wird. Aber die Crux dabei ist nicht der Film. 

Sag mir die Crux.

Der geneigte Zuschauer bekommt hier etwas geboten, auf das er sich zugegebenermaßen nur mit Mühe einlassen kann. Die pastellfarbenen, quietschbunten, völlig übertriebenen Bilder, die jedweder Logik oder Physik trotzenden Rennen, die tief in der japanischen Kultur verwurzelte Bildsymbolik gekoppelt mit westlichen Inhalten ist schlichtweg etwas so noch nie da Gewesenes und sicherlich nichts für einen Unterhaltungsfilm geeignetes. Aber schafft man es, sich darauf einzulassen, und hat man eine Begeisterung für popkulturelle Phänomene, wird man in einen Bilderreigen gesogen, aus dem es so schnell keinen Ausweg gibt. Das Problem ist, dass hier etwas als Actionfilm vermarktet wird, was eben dies nicht ist. Es ist Kunst.

Ah, das Kunstargument. Du meine Güte.

Was soll man machen? Es ist Kunst. So wie die Rennkarren übersteuert werden, wird auch das Medium übersteuert, wobei es - jederzeit kontrolliert - die Grenze zum Wahnsinn überschreitet. Und dabei doch vor Dialogen, Einsichten und einfach genialen Aha-Momenten strotzt, die ihresgleichen suchen.  Am Ende explodiert alles in einem Showdown, der all die zuvor angesprochenen Elemente zusammenführt und zu etwas völlig Neuem verbindet. Text und metatextuelle Komponente fließen ineinander und lösen ein neues filmisches Erleben aus. Und der Zuschauer, der Matrix 4 erwartet hat, verlässt gereizt und verständnislos den Saal. 

Na wenn Du meinst. Und was soll die bekloppte Überschrift?

Das ist das schönste an diesem Film. Die Wachowski Brüder hatten einst mit einem revolutionären Film - Matrix - die Sehgewohnheiten für immer verändert und auf einen neuen Standard gehoben. Die Symbiose aus perfekter Action und inhaltlicher Tiefe begeisterte Kritiker, setzte neue Standards (wann hat man zuletzt einen Film ohne Bullet-Time-Einstellungen gesehen?) und veranlasste literaturresistente Teenies, Literaturprofessoren und selbst Studenten-Bibelkreise, die einzelnen, philosophischen Subtexte zu analysieren. Und dann verkauften die Brüder ihre Seele dem Teufel, bzw den Studios (wahrscheinlich das selbe) und ließen aufgrund der Millionen-Dollar-Angebote die absolut indiskutablen und inhaltlich völlig unnötigen Fortsetzungen Matrix 2 & 3 folgen. Die Kohle kam, aber der Ruf war ruiniert. 

Und nun, Jahre später, haben sie sich rehabilitiert. Es ist kein Zufall, dass der Titelheld ein lukratives Angebot des amoralischen Rennstall-Königs Royalton ausschlägt, um schließlich über all dessen Sabotageakte zu triumphieren. Dass dieser Film an der Kasse nicht funktionieren konnte, war absehbar. Aber sie haben es getan. Sie haben sich selbst - wieder - an die Wand gefahren mit etwas, das nicht funktionieren konnte, und sie wahrscheinlich auf absehbare Zeit von jeglichem Kredit befreit. Aber sie haben sich rehabilitiert und sind wieder das, was sie waren: Ohne Hype, aber die Wachsowski Brothers. 

Sie fallen wahrscheinlich weich, anbetracht all der Matrix-Kohle. Dennoch verdient dieser Schritt Respekt.

2/20/2009

Nachlese

Seit gestern rollen ja wieder mal die Tollen Tage über uns hinweg, woran ich auf etwas seltsame Art und Weise erinnert wurde, als ich diesen Donnerstag Nachmittag in der Stadt einer Gruppe von fünf Frauen begegnete, die sich sichtlich angeheitert, quiekend und prustend vor mir aufbauten und mir vorwarfen, keinen Schlips zu tragen. Nun wohne ich nicht eben in einer Karnevalsmetropole (und abgesehen davon auch nicht eben in einer Metropole), weshalb ich doch etwas unvorbereitet auf diese Begegnung war. Die wasserstoffblonde Anführerin baute sich vor mir auf: "Das ist ganz schön gefährlich, was Du hier machst, wenn frau keinen Schlips findet, schneidet sie dir nachher noch ganz was anderes ab!" dünstete mir entgegen und ich fragte mich, ob die fünf Mädels sich darüber klar waren, dass sie irgendwie so ein Gefühl latenter Bedrohung ausstrahlten. Aber zum Glück kam ein Typ mit Krawatte vorbei und sie vergaßen mich so schnell wie ich auf ihren Radar geraten war. Ich überlegte später, dass es ja im Prinzip keine Möglichkeit gibt, in solchen Fällen sicher zu sein, dass man es wirklich mit Karnevalsfunkenmariechen zu tun hat und nicht mit besessenen Psychokillerinnen, die, die Gunst der Stunde nutzend, aus der Geschlossenen ausgerissen sind, um ihre Kastrationsfantasien auszuleben. Die Amerikaner haben diese Angst als kulturelles Phänomen ja bereits erkannt und in diverse Filme kanalisiert, in denen sich zu Halloween echte Killer und Monster unter die als Killer und Monster verkleideten Kids mischen, um mal so richtig einen auf blutige Ernte zu machen. In Deutschland hatten wir so einen Film meines Wissens bisher noch nicht, vielleicht wird es also Zeit mal ein Drehbuch zu verfassen, in dem es um den Blutrausch einer außer Kontrolle geratenen mittelständischen Chefsekretärin an Altweiberfasching geht. 

Wobei ich seit einigen Jahren ja tendenziell - tendenziell! - eher Karnevals- bzw Faschingsfreund bin. Der geneigte Leser kennt das ja, wenn man nicht gerade in Köln oder Mainz wohnt, kann man in diesen Tagen im Prinzip nirgendwo hingehen, ohne den folgenden Satz zu hören: "Also ich finde Fasching/Karneval ja echt voll daneben. Dieser Zwang, nur wegen eines Datums jetzt auf Kommando fröhlich zu sein. Da kann ich wirklich nichts mit anfangen." Ich denke dann immer, OK, das ist zwar nicht originell, aber sicherlich richtig. Bloß: All die Leute, die sowas sagen, haben ja die letzten zwei Dekaden damit verbracht, nur wegen eines Datums jetzt auf Kommando missmutig zu sein. Nur so aus Protest. Ohne darin jetzt ´nen Interessenkonflikt zu sehen. 

Marginal passend zur Jahreszeit habe ich kürzlich eine interessante CD entdeckt, als ich in der Audiobook, sorry, Hörspiel Ecke von Saturn nach der neuen Drei Fragezeichen Folge suchte. Was ich dabei entdeckte, war die erste Folge einer neuen Hörspielserie von einem Label namens (Achtung!) "Folgenreich". Es handelte sich dabei offenbar um eine Art satirische Hommage an die geilen Horrorhörspielcasetten der 80er, die man immer irgendwie an den Eltern vorbeigeschmuggelt und dann abends bei Taschenlampe auf dem Monocasettenrecorder gehört hatte - Macabros, Larry Brent, Dämonenjäger Dorian Hunter und all so was. (Wer jetzt überhaupt nicht weiß, wovon ich rede, sollte sich zumindest dringend mal die absolut unsterblichen und nach 20 Jahren immer noch bei amazon erhältlichen Europa-Hörspiele "Macabros Folge 3 - Konga der Menschenfrosch" oder "Larry Brent Folge 1 - Die Angst erwacht im Gruselschloss" besorgen. Sind die geil!) Diese neue CD sprang mir also ins Auge, weil sie den grundgenialen Titel "Jack Slaughter - Tochter des Lichts" trug.  Es geht, wie üblich, um einen Typ, der eines Tages erfährt, dass er der Nachfahre einer langen Ahnenreihe von Kämpfern gegen das Böse ist, und, nun mit diversen magischen Superwaffen ausgerüstet, den Kampf mit allerlei bösartigen Kreaturen aufnimmt. Nur dass in diesem Fall ein Missgeschick passiert ist, und besagter Jack Slaughter aus irgendeinem Grund als Kerl auf die Welt kam, und nicht, wie alle seine Wiccavorfahrinnen, als Buffy-Summers-mäßige Bikinischönheit. Die Geister seiner Vorfahrinnen, die "die Neue" traditionell einweisen, haben dafür wenig Verständnis, reden ihn konsequent nur mit "Jackie" an und sparen auch nicht mit Schminktipps. Der dadurch unfassbar gefrustete Jack stürzt sich trotzdem in die Schlacht gegen das Böse und versucht verzweifelt seine Würde zu bewahren, wenn er die von Vorfahrin zu Vorfahrin weitergereichte Superwaffe, eine verzauberte Barbiepuppe, zückt und die magische Formel spricht: "HILF MIR, PONYTAIL, ICH BIN DIE TOCHTER DES LICHTS!" 

A pro pos Töchter des Lichts, letzte Woche war ich abends bei zwei Kollegen, um ein paar Bierchen zu zischen und Germany´s Next Topmodel zu schauen. Völlig untypischerweise war ich trotzdem mit dem Auto unterwegs und bin abends auch mit selbigem nach Hause gefahren. Was natürlich bescheuert war, ich weiß. Tatsächlich fuhr ich dann, ich konnte es selbst kaum glauben, direkt in eine Routinepolizeikontrolle. Es war wirklich irgendwie surreal, ich dachte nur so - das kann noch nicht sein, ausgerechnet heute, das kann doch nicht SEIN usw. Der grenzwertig freundliche Wachtmeister fragte mich nach meinen Papieren und ob ich etwas getrunken hätte, was ich nicht ganz wahrheitsgetreu verneinte. "Sie riechen aber nach Alkohol. Steigen Sie bitte mal aus." Es war einer dieser Momente, wo alle Coolness einfach so hinten rausströmt und dich als panisches, kümmerliches und irgendwie würdeloses Häufchen Elend zurücklässt. Ich sah meinen Führerschein bereits auf unbestimmte Zeit davonfliegen und stieg schicksalsergeben aus. Machte die Blasröhrchennummer ohne weitere Kinkerlitzchen mit. Spielte im Hinterkopf schon all diese lächerlichen, auf Halbwissen beruhenden Handlungsmöglichkeiten á là "Ich verlange einen Bluttest" etc. durch. Der Polizist schaute lange auf das Digitaldisplay des Testgeräts, schaute auf mich, wieder aufs Gerät, und sagte dann: "0,0 Promille. OK, Sie sind sauber." Die Information brauchte ein paar gefühlte Sekunden, um zu sacken, aber scheinbar antwortete ich ohne Zeitverzögerung und relativ unbeteiligt "Ja klar, sag ich doch", und versuchte dann, trotz völlig abgesacktem Blutdruck, ganz lässig zu meinem Auto zu schlendern, einzusteigen und ab dafür. Keine Ahnung, ob das Gerät kaputt war oder was. Aber den Atemaufsatz, den ich scheinbar unbewusst schnell einsackte, trag ich bis auf weiteres in meiner Jackentasche. 

12/28/2008

Die Bahn

Einer der großen Vorteile, mit dem Studentenleben abgeschlossen zu haben, ist, dass man nicht mehr zwingend auf die Bahn angewiesen ist. So bekam ich vorgestern fast ein nostalgisches Gefühl, als das Hosenkonzert anstand und wir beschlossen, doch einfach mit der Bahn hinzufahren, weil die Hosen so freundlich waren, ihrem Konzertticket ein valides RMV-Ticket beizufügen, das einen auch noch direkt vor die Haustür der Festhalle brachte. Also nahmen wir den Zug. 

Die Hinfahrt verlief wunderbar. Aber auf der Rückfahrt wurde ich mal wieder schmerzlich daran erinnert, warum ich Bahnfahren hasse. (Nein, der Zug war pünktlich, warum fragen Sie?) Wir stiegen in den letzten Zug aus Frankfurt und bekamen sogar Sitzplätze. Aber wie es die Viererabteile in voll besetzten Zügen so mit sich bringen, kann man nicht immer ganz unter sich bleiben. Neben mir zum Beispiel saß Marc (möglicherweise auch Mark). Marc war Punk, 15 oder 16, und redete ohne Unterlass. Nicht mit mir oder sonst wem, der bei uns saß, sondern mit seinen Punkkollegen, die sich im Gang drängelten. Denn Marc war mit seiner Clique auf dem Weg nach Berlin, das Wochenendticket nützen. 

Im Grunde hörte Marc keiner zu, was insofern problematisch war, dass er einfach lauter und lauter redete. Da ich leider zwischen ihm und seinen Adressaten saß, war das problematisch - hatte ich beim Konzert kein Problem gehabt, drohte mir nun ein akuter Tinitus. Aber man will ja nicht immer motzen, also mental die Ohren zugeklappt und versucht, einfach nicht zuzuhören. 

Leider waren weder Marc noch seine Kollegen besonders helle. Genau genommen, wären sie noch dümmer gewesen, man hätte sie gießen müssen. Versuchen Sie mal, wegzuhören, wenn ihr Nachbar lautstark jeden Gedanken an rationales Denken durch den Fleischwolf dreht. Gut, alles nicht schlimm. Bis einer von Marcs Kollegen ihm dann doch Aufmerksamkeit widmete und sich vom Gang reinbeugte, um mit Marc irgendwas über die Vorteile von Mayonaise auf Toastbrot auszudiskutieren. Der Kollege kletterte auf die Lehne meines Stuhls, Speichel und ein ziemlich übler Geruch schlugen mir entgegen, und Marc und sein Kollege schrien sich an, während mir die Nieten der Jacke von Marcs Kollegen an der Backe scheuerten.

Ich schubste Marcs Kollegen zurück in den Gang und warnte ihn, sich nochmal über mich zu beugen. Sowohl Marc als auch sein Kollege reagierten relativ eingeschüchtert, jedoch verständnislos. 

Dann musste Marc aufs Klo. Nachdem er das lautstark geäußert hatte, schloss er seine Bedenken an, dass es in dem Abteil kein Klo gäbe. Bevor ich ihm widersprechen konnte, monologisierte Marc eine Idee: Er hätte ja ne halb volle Bierflasche in der Hand, die möglicherweise Platz genug böte.  "Will vorher noch jemand trinken?" Marc stand auf und begann an seinem Reißverschluss zu nesteln. Ich packte ihn an seiner Jacke und zog ihn zurück in seinen Sitz. Ich klärte ihn darüber auf, was ich mit ihm tun würde, wenn er jetzt in seine Flasche pisst. Völlig verständnislos ließ Marc immerhin von seinem Vorhaben ab und beschloss, bei der nächsten Station schnell mal zur Tür raus zu pinkeln. Die nächste Station kam, Marc ging zur Zugtür. Es klappte nicht. Völlig entnervt kam Marc zurück, eine Hand in seiner schmutziggrauen Unterhose. "Das war viel zu kurz ey! Jetzt muss ich ihn zuhalten bis zur nächsten Station. Woah ey, das presst!" Ich schloss die Augen und ging an meinen Happy Place. 

Die nächste Station war unsere. Ich stand noch vor Marc auf. Als wir den Bahnhof verließen, konnte ich nicht anders als zu denken: "Jetzt ist es passiert. Ich gehöre zum Establishment."

11/20/2008

Novelty

Immer mehr Menschen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis versuchen sich in letzter Zeit als Autoren – Grund genug, das auch mal zu probieren. Leider hat es keiner meiner vielen Romane über die ersten drei Sätze hinaus geschafft. Und dabei habe ich doch alle Genres durchprobiert. Nun, damit nicht alles vergebens war, habe ich beschlossen, die Romananfänge trotzdem zu veröffentlichen.

Genre 1: Spannung
Dan richtete die Taschenlampe auf den Fluchtpunkt des düsteren Gewölbetunnels. Der Lichtstrahl verlor sich in der Dunkelheit wie seine Gedanken sich im Chaos jüngst zurückliegender Ereignisse verloren. Er war auf ein Geheimnis gestoßen, so unfassbar, so unerhört, so wahnsinnig provokativ, so durch und durch rampensaumäßig, dass der Vatikan, das wusste Dan, alles tun würde, um ihn zum Schweigen zu bringen. Und wenn er ihm einen Albinokillermönch hinterherschicken müsste. Dabei hatte alles so harmlos begonnen, als vor einigen Tagen sein alter Freund, der geheimnisumwitterte Museumskurator...

Genre 2: Krimi
„Ich habe euch alle heute zusammengerufen, um reinen Tisch zu machen.“ Er räusperte sich. „Bella – ich betrüge dich seit Jahren mit deiner besten Freundin Margret. Margret – ich betrüge dich seit einiger Zeit mit deinem Mann Fred. Fred – du bist gefeuert. Tante Maynard – das mit deiner Katze war kein Unfall. Nun gut. Ich verstehe, dass ihr mich nun hasst. Manch einer würde sagen, jeder einzelne von euch hätte nun ein handfestes Motiv mich umzubringen. Jedoch... Oh - was ist das? Stromausfall? Man sieht ja die Hand vor Augen nicht mehr.“

Genre 3: Dystopische Sci-Fi
All die arroganten Atheisten guckten verdammt dumm aus der Wäsche, als am 23. Juni des Jahres 2012 ein fliegendes Spaghetti-Monster etwa zwei Drittel der Erde vernichtete. Die Überlebenden rotteten sich in den zerstörten Städten zu Clans zusammen und versuchten....

Genre 4: Drama
Amber-Lynn war verzweifelt. Die in ihr hochbrandenden Gefühle lähmten sie, ließen sie vergehen in unbändigem Hass, bedingungsloser Liebe und abgrundtiefer Verzweiflung, und wäre ihr Körper eine Kanone gewesen, sie hätte ihr Herz auf Kyle geschossen, der ihr alles genommen hatte, ihren unbändigen Hass, ihre bedingungslose Liebe, ihre abgrundtiefe...

Genre 5: Fantasy
Es war eine dunkle und stürmische Nacht. Kull hatte sich schon zu lange schutzlos durch Regen und Schlamm gekämpft. Er war müde, durchgefroren, völlig entkräftet. Doch er durfte nicht aufgeben. Nicht jetzt, da er dem bösartigen Troll, der sein Dorf dem Erdboden gleichgemacht hatte, und den er seither mit unnachgiebigem Rachedurst verfolgte, so nahe war. Diese Nacht würde...

Genre 6: Historischer Roman
Sein Urgroßvater hatte die Kathedrale vollenden wollen, sein Großvater und auch sein Vater. Keinem von ihnen war es vergönnt gewesen. Doch er, der Sohn der stolzen Baumeister, war noch da, und sein Lebenswerk sollte gleichsam das seiner ganzen Linie zu einem ehrfurchteinflößenden Ende führen. Doch da war auch noch sein anderes Erbe. Die andere Linie. Seine Mutter, die Päpstin.

Genre 7: Horror
„Der Wagen springt nicht mehr an.“ Carlos fluchte. „Wir haben keine Wahl, nicht bei diesem Wetter, wir müssen Schutz suchen in diesem runtergekommenen Haus da hinten.“ Sheila fröstelte. „Ich weiß nicht. Ich weiß einfach nicht. Carlos, bitte, ich fühle mich unwohl, wenn ich das Haus nur ansehe. Weißt Du noch, was die Wahrsagerin auf Coney Island gesagt hat?“ „Ach komm schon Liebes“, sagte Carlos und nahm sie lächelnd in den Arm, „wer glaubt denn schon an diesen Hokuspokus? Pass auf, ich frag nur eben schnell, ob ich mal telefonieren kann.“

Genre 8: Deutscher Literaturpreis
Geraden, die sich kreuzen, und doch ins Unendliche führen. Schnorchel. Uhu. Wes Leid ist grüner? Dein? Mein? Lamento. Mein Name ist Urban, aber ich heiße Bounty. Tütensuppe – Igelbürste --- Indifferenzaspekte! - n´est-ce pas?

10/27/2008

Gespenster Geschichten - Die Rückkehr

Vor zweieinhalb Jahren musste ich leider an dieser Stelle vom Ende der legendären, supertrashigen, pädagogisch und politisch völlig unkorrekten Groschenheftchencomicserie "Gespenster Geschichten" vom Bastei Verlag berichten. Da sich der Bastei-Verlag aber nun scheinbar gänzlich aus dem Comicgeschäft zurückgezogen hat und damit wohl so einige Copyrights freiwurden, sind sie nun, ja wirklich, zurückgekehrt! Die Gespenster Geschichten sind wieder da! Herausgegeben vom Tigerpress Verlag, der unlängst auch versuchte, Fix & Foxi wiederzubeleben. Heute sprang mir das neue Gespenster-Geschichten-Heft am Tankenkiosk entgegen, als ich nach der Bild Süddeutschen suchte. Ich griff natürlich zu. Grund genug für eine Rezension. 

Wie schaut´s denn aus?
Zunächst mal fällt auf, dass das ganze Heftkonzept auf wunderbar sinnlose Weise aktualisiert wurde - d.h. alles wie früher, aber greller und grüner. Das fängt schon beim Cover an - Sonnenbrille auf - bitteschön:
Und hier noch mal zum Vergleich das Original: 

Darüber hinaus sind jetzt auch die Gutters zwischen den Panels knallbunt und es gibt einen unvermeidlichen, lausig recherchierten Magazinteil. Aber das ist ja auch wurscht. Hauptsache, die Geschichten sind wie früher. Und das sind sie - Es sind nämlich dieselben! Genau dieselben. Leidlich umgetextete Nachdrucke, um genau zu sein.

Boah... das ist ja voll schäbig.
Ja, das ist es. Aber hey - die ganze Reihe war schon vom Konzept her schäbig, das macht(e) ja gerade ihren Charme aus. Und da die Geschichten sich sowieso inhaltlich immer nur wiederholten, konnte man sich schon damals eh nie ganz sicher sein, ob man die vorliegende Story nicht schon mal gelesen hatte. 

Und wie sind die Stories so?
Gott sei Dank haben sich durch das Konzept des Nachdruckens auch all die ultimativ-trashigen, unpädagogischen, grenzdebilen Inhalte, Dialogzeilen und Versatzstücke gehalten, die die Heftchen schon damals zum Kult machten. Ungebrochen rufen die Männer "Meiner Treu" und "Arrrgh", die Frauen "Ich werde ohnmächtig" und "Jiiiii", und nach wie vor steht am Anfang ein markiger Groschenromantitel und am Ende ein wohligwarme-nostalgisches "Seltsam? Aber so steht es geschrieben...." Das ist Trash As Trash Can, und da dürfen böse Dämonen schon mal Alwin heißen, ahnungslose Vollpfosten auf fast postmoderne Weise bei der Lektüre eines Gruselcomics dahingerafft werden und Männer Dinge sagen wie "Die Frauen sind doch alle gleich... im Grunde ihres Herzens käuflich". Aber das beste ist eigentlich das Hörspiel.

Das Hörspiel? 
Ja, es liegt tatsächlich jeder Ausgabe eine Hörspiel CD bei, und zwar eine extra für das Comic produzierte Reihe namens "Malcolm Max". Darin geht es um einen unerschrockenen Dämonenjäger namens, nun, Malcolm Max, der für einen Geheimbund, nun, Dämonen jagt. Dabei hilft ihm eine umwerfend schöne Halbvampirin namens Charisma, aber da das ein Hörspiel ist, ist das mit dem "umwerfend schön" natürlich Vertrauenssache. Jedenfalls ist dieses Hörspiel so schlecht produziert und von der Geschichte her so absolut, unglaublich und allumfassend dämlich, dass es schon jetzt zu den geilsten Audiobooks gehört, die ich je, nun, gehört habe. 

Kurz gesagt: Absolute Kaufempfehlung. Das alles ist so geschmacklos, billig und verdorben, dass es man es bedenkenlos auch den Kleinsten in die Hand drücken kann. Ich meine - Hat´s mir etwa geschadet?

Ist das ne ernst gemeinte Frage?
Ja. Nee. Egal, jedenfalls: Kaufen und Spaß haben. 

10/20/2008

Power Rangers Logorrhoe

Das war sie also, die Verfilmung von Krabat, auf die ich mich ganz besonders gefreut hatte, weil Krabat seit vielen, vielen Jahren mein Lieblingsbuch ist. (Und ich kenne ne ziemliche Menge Bücher). Fast hätte ich mich nicht getraut ins Kino zu gehen - man kennt das ja, man mag ein Buch wirklich gerne, und dann kommt die Verfilmung und lässt einen fast unweigerlich enttäuscht zurück. Aber natürlich saß ich dann doch im Kino. Der Film lief und versetzte mich in ungläubiges Erstaunen. Das war einfach - fantastisch. Sie hatten alles richtig gemacht. Alles war beinahe genauso wie ich es mir immer beim Lesen vorgestellt hatte, alles sah genauso aus, alle sprachen und verhielten sich genauso, und selbst die ein, zwei Sachen, die sie für den Film verändert hatten, machten Sinn. Ich war begeistert, fast dankbar. 

Und dann haben sie´s gerade mal 5 Minuten vor Schluss doch noch komplett versaut. 

Das schlimme an Filmenden ist, dass ein Film mit seinem Ende steht und fällt. Wenn das Ende einen enttäuscht zurücklässt, dann schlägt sich das auch auf die zwei Stunden zuvor nieder. Was normalerweise nicht schlimm ist, denn ein Film mit einem wirklich miesen Ende ist selten zuvor wirklich gut. Aber Marco Kreuzpaintner, der Regisseur von Krabat, hat´s geschafft. Was im Falle von Krabat sogar noch mal eine Nummer tragischer ist, denn vor allem das Ende ist es, was dieses Buch zu etwas Besonderem macht. 

Im Buch geht es um vieles, um Macht und Gehorsam, Treue, Tod und Freundschaft, aber vor allem geht es, wie könnte es anders sein, um Liebe. Und das macht ja auch nichts - wenn es so echt, unprätentiös, subtil und bewegend inszeniert wird. Im Buch erlöst die Kantorka Krabat aus den Fängen des Meisters, indem sie ihn in einer Prüfung aus der Gruppe der Gesellen heraus benennt, obwohl alle in Rabengestalt verwandelt wurden. Die Kantorka tut das, obwohl sie weiß, wenn sie versagt, wird sie Leben und Seele verlieren. Der Meister nimmt seine Niederlage wortlos zur Kenntnis und lässt sie gehen; er weiß, er ist verdammt und wird den nächsten Morgen nicht mehr sehen. Die übrigen Gesellen bleiben verstört zurück; ihr Weg hat sie ins Nichts geführt, sie haben alles verloren. Krabat und die Kantorka aber sind frei. Krabat fragt Kantorka: "Woran hast Du mich erkannt?" Und sie antwortet: "Weil Du Angst hattest, nicht um dich, sondern um mich; daran habe ich dich erkannt." Und das war´s. Mehr kommt nicht. Denn alles ist gesagt. 

Im Film dagegen hatte man offenbar Bedenken, dass der Durchschnittskinogänger das nicht rallt. Deswegen läuft es etwas anders: Die Kantorka erkennt Krabat an dessen wummernden Techno-Herzschlag. "Das ist Krabat." Der Vogel verwandelt sich zurück. Umarmung, Kuss. Der Meister wutschnaubend. Die Gesellen: Johlend. "Yeah wir sind frei!" "Wir müssen raus, die Mühle explodiert!" Krabat schlendert lässig zum Meister rüber und sagt tatsächlich: "Tja Meister, du bist erledigt! Denn gegen wahre Liebe hast auch du keinen Zauber!" Und nach dieser Power-Rangers-Logorrhoe laufen sie raus, die Mühle fliegt in die Luft, es regnet Trümmer. Alle zusammen laufen lachend in den Wald. Ende. Und während ich mir noch ungläubig die Augen reibe, geht der Abspann los: "Allein allein" von Polarkreis 16 oder 18 oder 27, was weiß ich. Es wummert und trällert, und wie meine beiden geschmacklich vertrauenswürdigen Begleiter Miri und Christian feststellen, erwartet man irgendwie, dass gleich noch mal alle Darsteller gezeigt werden, wie sie an irgendeinem Strand singen und tanzen, und der Meister kommt um eine Palme und bringt noch zwei Eimer Sangria mit. 

Soweit also der Krabat-Vollflop. Aus lauter Frust bin ich die Woche gleich nochmal ins Kino gegangen, und zwar in einen Film, bei dem man nichts falsch machen kann, weil er von den Coen Brothers ist. Und natürlich haben sie auch nichts falsch gemacht. Burn After Reading - Wie geil kann ein Film werden?? Jedes weitere Wort wäre ein Spoiler.